Gedichte von Heinz Erhardt

Allerlei


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Abendlied
Am Kamin
Ampeln
An einen Nichtschwimmer
An einen Pessimisten
Anhänglichkeit
An meine jungen Jahre...
An Rolf
Archimedes
Auge um Auge
Ausgefallenes
Beichte
Bei Opa
Bilanz
Chor der Müllabfuhr
Das Blümchen
Das Fenster
Das Gewitter
Das große Werk
Das Pechmariechen
Das Schloß
Das Steckenpferd
Depressionen
Der Apfelschuss
Der Bach
Der Berg
Der Besuch
Der Einsame
Der Erlkönig
Der Fischer
Der Frühling
Der Herbst
Der König Erl
Der letzte Besuch
Der Mathematiker
Der Mond
Der Muselmann
Der rötliche Mars und die Venus
Der Schauspieler
Der Stein
Der Tauchenichts
Der zweite Besuch
Die Ballade vom Ritter Kunkel
Die Kunst des Trinkens
Die Mauritius
Die Pointe
Die Schule
Die Sängerin
Die Tänzerin
Die U(h)rsache
Drei Bilder
Dritter
Eine Beobachtung
Ein Männergesangverein
Ein Ostergedicht
Ein Pianist spielt Liszt
Ein Trauertag
Ein Weihnachtslied
Ein Zyklus
Es ist nicht alles Gold, was glänzt
Es scheint so
Fast eine Fastenkur
Flecke
Fürchterliche Ballade
Fußball
Gänseblümchen
Ganz zuletzt
Gedanken am Samstagabend
Gedanken an der Ostsee
Gerüchte um Gerichte
Goethes Fischer
Harte Schicksale
Heinz Erhardt in eigener Sache
Hero und Leander
In der Schule drüben
Kinder
Kolumbus
Kunibert
Kurz vor Schluß
Leicht zu sagen
Letzte Bitte
Letzter Rat
Liebe Sonne
Löwenzahn
Milch
Moderne Sinfonie
Nächstenliebe
Nero
Noch'n Abschied
Oben ohne
Rennen und Rasen
Schal und Rauch   neu
Schimpfen
Sehnsucht
Trost
Überlistet
Urlaub im Urwald
Verrat
Vom Alten Fritz
Von A bis E
Wahrheit
Warum die Zitronen sauer wurden
Was wär...
Weihnachten 1944
Zeus
Zur Pause
Zweifel



Heinz Erhardt



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Abendlied

Die Nacht bedeckt die Dächer,
und in dem Aschenbecher
verlöscht die Zigarette.

Es ruhn fast alle Räder.
Der Tag verging wie jeder,
als Glied in einer Kette.

Ich höre Eulen singen
und sehne mich nach Dingen,
die ich so gerne hätte.

Und von dem vielen Sehnen
bekomme ich das Gähnen -
gut' Nacht, ich geh' zu Bette.


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Am Kamin

Es gibt recht viele, die noch immer
vom englischen Kamine schwärmen.
Er kann so leidlich zwar das Zimmer -
doch ich mich nicht für ihn erwärmen.

Wenn ich vor solchem Möbel sitze -
ich muß das wirklich mal erwähnen -
so hab ich vorne große Hitze
und klappre hinten mit den Zähnen. -

Sitzt du jedoch bei mir ganz dicht,
legst um mich deinen lieben Arm,
dann gilt das, was ich sagte, nicht -
dann hab ich es auch hinten warm!


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Ampeln

Wir hatten einst - die Zeit ist tot -
als Landesfarben Schwarz-Weiß-Rot.
Dann hat man sie nicht mehr gewollt,
und wir bekamen Schwarz-Rot-Gold.

Doch diese übersieht man fast
in unsrer Zeit voll Kampf und Hast.
Die Farben, die sich heute ziehn
durch unser Sein, sind Rot-Gelb-Grün.

Wenn wir uns ans Steuer setzen,
um zum Arbeitsplatz zu hetzen,
können wir nur höchstens schleichen,
denn uns hindern viele Zeichen.

Ganz besonders sind's die Ampeln,
die auch Radfahrer beim Strampeln
und selbst Fußgänger, die Gemsen -
gleich hinüberwollen, bremsen.

Vom Direktor bis zum Penner
sind wir nichts als Ampelmänner!
Dort, wo eine Kreuzung droht,
hat man selten Grün, meist Rot.

Und so schön das Rot auch schien,
man ist diesem Rot nicht grün.
Doch wenn Grün kommt, und man kann,
hat der liebe Vordermann -
solche Fälle sind verbürgt -
seinen Motor abgewürgt.

Bracht in Gang er endlich ihn,
und man kann, ist nicht mehr Grün.
Schuld ist vorne der "Idiot"! -
Bis man Grün hat, sieht man rot!


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An einen Nichtschwimmer

Du kannst nicht schwimmen? Ach deshalb kriegen
dich nicht Baldrian, nicht Kampfer
auf einen Dampfer!
Doch neulich hast du ein Flugzeug bestiegen!
Kannst du denn fliegen?.....


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An einen Pessimisten

Jede Sorge, Freund, vermeide,
jedes Weh sollst du verachten.
Sieh die Lämmer auf der Weide:
sie sind fröhlich vor dem Schlachten.
Ahnst du nicht, wie dumm es wär,
wären sie's erst hinterher?


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Anhänglichkeit

Das Kind hängt an der Mutter,
der Bauer an dem Land,
der Protestant an Luther,
das Ölbild an der Wand.
Der Weinberg hängt voll Reben,
der Hund an Herrchens Blick,
der eine hängt am Leben,
der andere am Strick ...


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An meine jungen Jahre noch gedenk ich,
als alle Glieder noch gelenkig,
nur das eine nicht...

Doch diese Zeiten sind vorüber,
steif sind nun alle meine Glieder,
nur das eine nicht...

(Danke an Holger Lauer)


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An Rolf

Du warst ein treuer Kamerad,
so treu, wie er im Buche steht.
Wir bummelten und spielten Skat,
dann wurden wir vom Wind verweht.

Dann wurden wir vom Wind verweht,
allein, ein Freund bliebst Du mir nicht.
Ich wurde ja auch nur Poet,
Du aber bist beim Amtsgericht.


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Archimedes

Jaja! Der weise Archimedes
ging stets zu Fuß, ging stets per pedes.
Doch ging er auf besondere Weise:
er ging hauptsächlich nur im Kreise.

Die Gangart hatte sich nach Wochen
in Syrakus herumgesprochen,
weshalb - es ist gut zu verstehn -
die Menge kam, sich's anzusehen.
Doch dies gefiel dem Greise nicht !
Er sprach: "Stört meine Kreise nicht!"

Jaja! Der weise Archimedes
ging stets zu Fuß, fuhr nie Mercedes.


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Auge um Auge

Stundenlanger Regen nieselt,
und es schmerzt schon das Gesäß,
und die Luft ist eingedieselt
durch die vielen LKWs.

Immer weiter! Keine Liebe
kennt man auf der Autobahn!
Wütend beißt sich das Getriebe
und der Mensch durch - Zahn um Zahn...


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Ausgefallenes

Man hat ganz oben auf dem Kopfe
viel tausend Poren, dicht bei dicht.
Und nun - das ist das Wunderbare:
aus diesen Poren wachsen Haare !!!
Oder auch nicht.


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Beichte

"Warum machst du in Gedichten?"
fragte mich ein Menschenkind.
"Warum schreibst du nicht Geschichten,
die doch leicht verkäuflich sind?"
Oh, ich habe meine Günde
für mein Tun - und sprach vertäumt:
"Weil ich es viel schöner finde,
wenn sich hinten alles reimt".


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Bei Opa

Der Opa ist ein frommer Mann
und liest in seiner Bibel.
Die Oma schneidet nebenan
fürs Abendbrot die Zwiebeln.
Der Opa ist ein frommer Mann
und weint ob seiner Sünden.
Auch Omama weint nebenan,
jedoch aus andern Gründen!

(Danke an Susanne Radtke)


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Bilanz

Wir hatten manchen Weg
zurückgelegt,
wir beide, Hand in Hand.

Wir schufteten und schufen
unentwegt
und bauten nie auf Sand.

Wir meisterten sofort,
was uns erregt,
mit Herz und mit Verstand.

Wenn man sich das so richtig
überlegt,
dann war das allerhand.


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Chor der Müllabfuhr

Auf, auf und auf! Laßt uns von Tonne zu Tonne eilen!
Wir wollen dem Müll eine Abfuhr erteilen!

Auf! Machen wir, das jede Tonne sich leere!
Wir sind dazu da, denn wir sind Müllionäre!
Müllirallala, Müllirallala...


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Das Blümchen

Im Walde ist ein Plätzchen,
ein Plätzchen wunderschön.
Beim Plätzchen steht ein Bänkchen,
das möcht' ich wiedersehn.
Beim Bänkchen wächst ein Blümchen,
ein Blümchen, weiß und rot,
das möcht' ich gerne pflücken;
denn morgen ist es tot.
Ich will's ins Wasser legen,
bis daß es fast ertrinkt,
und es so lange hegen,
bis Mutti sagt: "Es stinkt!"

(Dieses Gedicht "schrieb" der Autor mit sechs Jahren.)


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Das Fenster

Ich hab' zu Haus ein Fenster steh'n,
jedoch die Aussicht ist nicht schön:
Nur eine Mietskaserne!
Doch neulich sah ich vis-a-vis
ein weiblich Wesen, schön wie nie!
Nun guck' ich ziemlich gerne...


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Das Gewitter

Urahne, Grossmutter, Mutter und Kind
in dumpfer Stube versammelt sind.
's ist Mittwoch. Da hört man von Ferne
ein leises Grollen. Mond und Sterne
verhüllen sich mit schwarzen, feuchten
Wolkenschleiern. Blitze leuchten.
Und es sind versammelt in dumpfer Stube
Urahne, Grossmutter, Mutter und Bube.-
Das Gewitter kommt näher mit Donnerschlag-
und noch fuenf Minuten bis Donnerstag!
Es heult der Sturm, es schwankt die Mauer,
der Regen prasselt, die Milch wird sauer-,
und in dumpfer Stube - jetzt wissen wir's schon -
sind Urahne, Grossmutter, Mutter und Sohn.
Ein furchtbarer Krach! Ein Blitz schlägt ein!
Der Urahne hört was und sagt: "Herein!"-
Die dumpfe Stube entflammt und verglimmt
mit Urhammel, Grossbutter, Butter und Zimt...


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Das große Werk

Am Morgen steigt man aus dem Bette,
und geht ganz schnell mal zur Toilette.
Um weg zu bringen seine Schlacke,
manche nennen es auch Kacke.

Man setzt sich hin, läßt alles laufen,
bis sich die Kacke häuft zum Haufen.
Manchmal ist es auch nur Wasser,
manchmal dünner, manchmal blasser.

Ist das große Werk vollbracht
wird eine Kehrtwendung gemacht,
um das Ganze zu beschaun,
das gibt wieder Selbstvertraun.


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Das Pechmariechen

Zu Ostern in Hersfeld die Mutter spricht:
"Bald ist es Zeit für's Festtagsgericht.
Drum geh' meine Tochter hinab in den Keller
und fülle mit Sauerkraut, hier, diesen Teller."

(Jetzt ist die Tochter dran.)
"Oh Mutter, oh Mutter mir träumte neulich
von einem Mann, der Mann war abscheulich.
Lass' uns den Keller vergessen,
woll'n wir was anderes essen."

(Wieder die Mutter)
"Mein Kind, mein Kind ich seh' es genau.
Du kommst in die Jahre, wirst langsam Frau.
Siehst überall Männer, die lauern.
Geh' hol' von dem Kraut, dem sauern."

Die Tochter tut es. Sie gehet hinab.
Hinab in den Keller, der finster wie's Grab.
Sie füllet den Teller, den Teller aus Blech;
doch solang' sie auch füllt, es kommt kein Mann
so'n Pech.....
(...drum Pechmariechen)


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Das Schloß

Papst Paul war gestorben vor vierhundert Jahren
und ist dann, wie üblich, gen Himmel gefahren.
Und als er dort oben gut angekommen,
da hat er den güldenen Schlüssel genommen.

Es ist ja bekannt, daß früher und itzt
jeder Papst einen Schlüssel zum Himmel besitzt.

Doch siehe, der Schlüssel, der wollte nicht passen.
Der Petrus hat trotzdem ihn eintreten lassen
und sprach (sein Antlitz war bartumrändert):
"Der Luther hat nämlich das Schloß verändert...!"


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Das Steckenpferd

Der eine liebt Konkretes nur,
der andre das Abstrakte,
der dritte schwärmt für die Natur
und deshalb für das Nackte.
Der vierte mag nur Fleisch vom Schwein,
der fünfte Milch und Eier,
der sechste liebt den Moselwein,
der siebte Fräulein Meier.
Für jeden gibt es was von Wert,
für das er lebt und streitet,
und jeder hat sein Steckenpferd,
auf dem er immer reitet.


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Depressionen

Vorvorgestern war ich fröhlich,
vorgestern hat sich's gegeben,
gestern schlug ich Purzelbäume,
heute will ich nicht mehr leben.

Solch ein Zustand ist entsetzlich,
mich und meine Umwelt quäl ich;
doch er dauert nicht sehr lange:
morgen bin ich wieder fröhlich!


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Der Apfelschuss

Der Landvogt Geßler sprach zum Tell:
,,Du weißt, ich mache nicht viel Worte!
Hier, nimm einmal die Tüte schnell,
sind Äpfel drin von bester Sorte!
Leg einen auf des Sohnes Haupt,
versuch, ihn mit dem Pfeil zu spalten!
Gelingt es Dir, sei's Dir erlaubt,
des Apfels Hälften zu behalten!"

Der Vater tat, wie man ihm hieß,
und Leid umwölkte seine Stirne,
der Knabe aber rief: ,,Komm, schieß
mir schnell den Apfel von der Birne!"

Der Pfeil traf tödlich - - einen Wurm,
der in dem Apfel wohnte ...
Erst war es still, dann brach ein Sturm
des Jubels los, der'n Schützen lohnte!
Man rief: ,,Ein Hoch dir, Willi TeIl!
Jetzt gehn wir einen trinken, gell?"


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Der Bach

(Dem gleichnamigen Komponisten gewidmet)

Tagtäglich fließt der Bach durchs Tal.
Mal fließt er breit, mal fließt er schmal.
Er steht nie still, auch sonntags nicht,
und wenn mal heiß die Sonne sticht,
kann man in seine kühlen Fluten fassen.
Man kann's aber auch bleibenlassen.


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Der Berg

Hätte man sämtliche Berge der ganzen Welt
zusammengetragen und übereinandergestellt,
und wäre zu Füßen dieses Massivs
ein riesiges Meer, ein breites und tief's,
und stürzte dann unter Donnern und Blitzen
der Berg in dieses Meer - - na, das würd' spritzen!


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Der Besuch

Es klopft. "Herein!"
Wer kommt? "Freund" Hein!
"Was willst du mit der Sense sprich!"
"Ich will nicht viel, ich will nur dich!"
"Was heute schon? Ist's schon soweit?
Ach, lass mir noch ein wenig Zeit!"
"Nun gut , ich will mal nicht so sein -
ich schau nächstens Mal wieder rein...!"

(Danke an Horst Fiedler)


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Der zweite Besuch


Es klopft. "Herein!"
Es ist Freund Hein!
"Ach du bist's wieder? Gib doch Ruh!
Zum Nachbarn geh, du Heini du!
Den kannst du - niemand wird sich grämen -
ganz schnell mal auf die Hippe nehmen!"
"Na schön, ist mein Besuch dir peinlich,
ich warte draussen, bin nicht kleinlich!"

(Danke an Horst Fiedler)


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Der letzte Besuch

Mein Haar ist weiß, grau das Gesicht.....
Ich schreib mit Mühe dies Gedicht.....
Mein Hirn ist leer, mein Darm verstopft....
Bin so allein....
Wo bleibt Freund Hein....?

Aha, es klopft...


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Der Einsame

Einsam irr' ich durch die Gassen,
durch den Regen, durch die Nacht.
Warum hast du mich verlassen,
warum hast du das gemacht?
Nichts bleibt mir, als micht zu grämen!
Gestern sprang ich in den Bach,
um das Leben mir zu nehmen;
doch der Bach war viel zu flach.

Einsam irr' ich durch den Regen,
und ganz feucht ist mein Gesicht
nicht allein des Regens wegen,
nein, davon alleine nicht.
Wo bleibt Tod in schwarzem Kleide?
Wo bleibt Tod und tötet mich?
Oder besser noch: uns beide?
Oder besser: erst mal dich?


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Der Erlkönig

Im Walde steht ein großes Schloß
und Kunibert, so hieß der Boss.
Er hatte Mägde, Knechte
und eine Frau - das war das Schlechte.
Ihr Mund war breit, ihr Hals war lang
und es klang scheußlich, wenn sie sang.

Da zielte er mit Korn und Kimme
und Wut auf sie - das war das Schlimme.
Es machte bumm. (Natürlich lauter)
Dann fiel sie um, zum Himmel schaut er
und spricht, das Auge voll Gewässer:
"Vielleicht singt sie da oben ja besser!"


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Der Fischer

(frei nach Johann Sebastian Goethe)

Das Meer ist angefüllt mit Wasser
und unten ist's besonders tief,
am Strande dieses Meeres saß er,
d.h. er lag, weil er ja schlief.

Und nun nochmal: Am Meere saß er,
d.h. er lag, weil er ja schlief,
und in dem Meer war sehr viel Wasser
und unten war's besonders tief.

Da plötzlich teilten sich die Fluten
und eine Jungfrau kam herfür,
auf einer Flöte tat sie tuten,
das war kein schöner Zug von ihr.

Dem Fischer ging ihr Lied zu Herzen,
obwohl sie falsche Töne pfoff-----
man sah ihn in das Wasser sterzen,
dann ging er unter und ersoff.


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Der Frühling

Wie wundervoll ist die Natur!
Man sieht so viele Blüten,
auch sieht man Schafe auf der Flur
und Schäfer, die sie hüten.
Ein leises Lied erklingt im Tal:
der müde Wandrer singt es.
Ein süßer Duft ist überall,
bloß hier im Zimmer stinkt es!


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Der Herbst

Im Herbst bei kaltem Wetter
fallen vom Baum die Blätter -
Donnerwetter,
Im Frühjahr dann
Sind sie wieder dran
Sieh mal an.


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Der König Erl:

(frei nach Johann Wolfgang von Frankfurt)

Wer reitet so spät durch Wind und Nacht?
Es ist der Vater, es ist gleich acht.
Im Arm den Knaben er wohl hält,
er hält ihn warm, denn er ist erkält'.
Halb drei, halb fünf. Es wird schon hell.
Noch immer reitet der Vater schnell.
Erreicht den Hof mir Müh und Not-----
der Knabe lebt, das Pferd ist tot!


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Der Mathematiker:

Es war sehr kalt, der Winter dräute,
da trat - und außerdem war's glatt -
Professor Wurzel aus dem Hause,
weil er was einzukaufen hat.

Kaum tat er seine ersten Schritte,
als ihn das Gleichgewicht verließ,
er rutschte aus und fiel und brach sich
die Beine und noch das und dies.

Jetzt liegt er nun, völlig gebrochen,
im Krankenhaus in Gips und spricht:
,,Ich rechnete schon oft mit Brüchen,
mit solchen Brüchen aber nicht!"


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Der Mond

Der Mond verbirgt sein bleiches Licht,
Die Sterne am Himmel, sie (p)funkeln nicht,
Die Luft ist sch(e)wül,
Im Herzen wird bang,
Der Uhu krächzt
Einen Totengesang...

Daaaaa - brichts aus schwarzer Nacht hervor
Als wie in geöffneter Hölle Tor,
Als ständen die Säulen des Erdballs in Flammen,
Als stürzte das ganze Weltall zusammen,
Und, aus der Wolken feuchtem Schoß

Der Regen in Strömen sich ringsum ergoß,
Als wollten des Wassers wilde Gewalten
Das Land zum unendlichen Meere gestalten.
Und, wie es so stürmt und brandet und kracht,
Da... nee da... nee, ha'm wir heute gar nicht hier,
Eine Jungfrau tritt hinaus in die Nacht
Und ruft in die tosenden Winde hinaus:
"Na, is das'n Dreckwetter, dann bleib' ich zu Haus'"


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Der Muselmann

Es war einmal ein Muselmann,
der trank sich einen Dusel an,
wann immer er nur kunnt.
Er rief dann stets das Muselweib,
wo es denn mit dem Fusel bleib,
denn Durst ist nicht gesund.
Und brachte sie die Pulle 'rein,
gefüllt mit süßem Muselwein,
dann trank er
und trank er,
hin sank er
als Kranker,
bis gottseidank er
unterm Tische verschwund.


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Der rötliche Mars und die Venus

Früher zogen Mars und Venus -
wann es war, kann man nur ahnen -
eng beieinander und in Liebe
ihre vorgeschriebnen Bahnen.

Plötzlich kam ein fremder Körper,
der sich zwischen beide zwängte
und den Mars von seiner Venus -
oder umgekehrt - verdrängte.

Dieser Fremdling war die Erde!
Und sie machte sich noch breiter,
und der Mars entschwand der Venus
immer weiter, immer weiter.

Und die Sehnsucht nach der Freundin
hat den Mars schon fast getötet;
doch - erblickt er sie von ferne,
sehn wir, wie er zart errötet.


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Der Schauspieler

Er sprach zu der Theaterleitung,
nachdem er dreimal ausgespuckt:
»Mein Name steht in dieser Zeitung
nie eingerahmt, nie fettgedruckt!

Dabei spiel ich die längsten Rollen,
mal bin ich heldisch, mal geduckt,
ich probe auch, solang Sie wollen,
doch niemals bin ich fettgedruckt!«

Ganz ohne Probe selbstverständlich
starb gestern er, hat kaum gezuckt…
Heut steht er in der Zeitung endlich
schön eingerahmt und fettgedruckt!


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Der Stein

Fast wär vom Dach ein Ziegelstein
mir auf den Kopf geflogen,
jedoch "es hat nicht sollen sein":
er machte einen Bogen.

Daß er das tat, ja, das war gut!
Doch hat der Fall bewiesen:
man sei beständig auf der Hut
und geh nie ohne diesen!


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Der Tauchenichts

Wer wagt es, Knappersmann oder Ritt, zu schlunden in diesen Tauch?
Einen güldenen Becher habe ich mit, den werf ich jetzt in des Meeres Bauch!
Wer ihn mir bringt, ihr Mannen und Knaben,
der soll meine Tochter zum Weibe haben!

Der Becher flog.
Der Strudel zog
ihn hinab ins greuliche Tief.
Die Männer schauten,
weil sie sich grauten,
weg. - Und abermals der König rief:

Wer wagt es, Knippersmann oder Ratt, zu schlauchen in diesen Tund?
Wer´s wagt - das erklär ich an Eides Statt -
darf küssen meines Töchterleins Mund!
Darf heiraten sie. Darf mein Land verwalten!
Und auch den Becher darf er auch noch behalten!

Da schlichen die Mannen
und Knappen von dannen.
Bald waren sie alle verschwunden.
Sie wußten verläßlich:
die Tochter ist grässlich!
Der Becher liegt heut noch unten...


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Die Ballade vom Ritter Kunkel

Es ritt der edle Ritter Kunkel
durch einen Wald, der still und dunkel.

Als plötzlich jäh und ungestüm
ein grauslich graues Ungetüm,
ein richtig schlimmes Drachenvieh,
das Feuer, Gift und Galle spieh,
sich fliegen näherte dem Reiter
und sprach: "Bis hierher und nicht weiter!"

Der edle Ritter zog am Zügel,
dann seinen Degen
stieg vom Bügel
und mutig, ohne banges Zagen
ging er dem Drachen an den Kragen.

Gar bald gelangs ihm hintern Ohrn
das Scheusal schmerzhaft anzubohrn,
worauf es "AU" schrie nach dem Stich
und flugs nach oben hin entwich.

Der Ritter reinigte den Degen
und ritt, nun auf befreiten Wegen,
dorthin, wohin er vorhin wollte
(wozu es fast nicht kommen sollte).

Das Volk begrüsste ihn mit Tüchern
und bald schrieb man von ihm in Büchern,
weil er der erste war, wie's hiess,
der einen Drachen steigen liess.


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Die Kunst des Trinkens

Solange es uns Menschen gibt,
sind auch Getränke sehr beliebt —
ich meine hier natürlich nur
die alkoholischer Natur!

Den Wein, den hab ich übersprungen,
der wurde schon zu oft besungen —
und auch der Sekt! (man reicht ihn Gästen
zum An- und Aufstoßen bei Festen.)

Wie selten aber steht vom Bier
etwas geschrieben, außer hier:
"Es schäumt das Glas mit edler Gerste,
und stets bekömmlich ist das erste!"

Doch gibt es außerdem Getränke,
den'n ich besondre Liebe schenke,
ich schätze fast seit der Geburt se:
das ist der Klare oder Kurze!

Wie wärmen sie an kalten Tagen
schön eisgekühlt den kalten Magen!
Wie spornen sie - als Geistgetränke -
den Geist an, daß er wieder denke!

Jedoch wie geistlos - sei'n wir offen -
wird diese Köstlichkeit gesoffen!
Drum will ich, eh' Sie einen heben,
hier schnell noch einen Ratschlag geben:

Man trinke Schnaps stets nur zum Essen!
Das Bier dazu soll man vergessen!
Und ob in Kneipe oder Haus:
Man lasse immer einen aus!

Wenn man das ganz genau so tut,
dann fährt man stets - auch Auto - gut.


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Die Mauritius

Herr Heinrich Franz von Ohnegleichen,
der sammelte gern Postwertzeichen
mit Zähnen und mit glatten Rändern
aus Übersee und andern Ländern
und klebte sie - alle vereinigt,
jedoch geordnet und gereinigt -
ins Album, wie man das so muss!
Nur fehlte die Mauritius!

Was hatte er nicht unternommen,
um diese Marke zu bekommen!!!
Ja, selbst als er der Minne frönte
mit Minna, die ihn arg verwöhnte,
so fragte er bei jedem Kuß:
"Hast du nicht die Mauritius?"

Bald brachte beiden Adebar
ein Kind, das zwar ein Mädchen war,
doch Heinrich faßte den Entschluß:
"Die nennen wir Mauritius! -
Gewiß, der Name paßt nicht recht
fürn Kind von weiblichem Geschlecht
doch sei's! Zu End sei der Verdruß;
"Ich hab eine Mauritius!"

Sehr früh schon ging das Mädchen gern
in Bars, damit es tanzen lern
und dadurch körperlich erstarke!
Na, sie wurde vielleicht 'ne Marke---


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Die Pointe

Am meisten Freude macht es mir,
die Pointe zu verstecken
und dann zu sehen, wie es dir
gelingt, sie zu entdecken.

Wie dir beim Lesen erst der Mund
zuckt, dann der Augen Falten
sich tiefer graben, und -
du kannst nun nicht mehr an dich halten -
du lachst und lachst
und machst
mich damit froh!

So,
das wärs, was ich mit der "versteckten Pointe" meine ...
Doch lach noch nicht;
denn dies Gedicht
hat keine!


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Die Sängerin

Reihen, Stühle, braune, harte.
Eintritt gegen Eintrittskarte.
Damen viel. Vom Puder blasse.
Und Programme an der Kasse.
Einer drückt. Die erste Glocke.
Sängerin rückt an der Locke.

Leute strömen. Manche kenn ich.
Garderobe fünfzig Pfennig.
Wieder drückt man. Zweite Glocke.
Der Begleiter glättet Socke.
Kritiker erscheint und setzt sich.
Einer stolpert und verletzt sich.

Sängerin macht mi-mi-mi.
Impresario tröstet sie.
Dritte Glocke. Schrill und herrisch.
Sie erscheint. Man klatscht wie närrisch.
Jemand reicht ihr zwei Buketts.
Dankbarkeit für Freibillets.

Und sie zuckt leis mit den Lippen.
Beugt sich vor, als wollt sie kippen.
Nickt. Der Pianist macht Töne.
Sängerin zeigt weiße Zähne.
Öffnet zögernd dann den Mund.
Erst oval. Allmählich rund.

Und - mit Hilfe Ihrer Lungen
hat sie hoch und laut gesungen.
Sie sang Schumann, Lincke, Brahms.
Der Beginn war acht Uhr ahms.
Und um elf geht man dann bebend,
aber froh, daß man noch lebend,
heimwärts. Legt sich müde nieder. -
Morgen singt die Dame wieder.


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Die Schule

Die Schule ist, das weiß man ja,
in erster Linie dazu da,
den Guten wie den Bösewichtern
den Lehrstoff quasi einzutrichtern;
allein - so ists nun mal hinieden:
die Geistesgaben sind verschieden.

Mit Löffeln, ja sogar mit Gabeln
frißt Kai die englischen Vokabeln;
Karl-Heinz hat aber erst nach Stunden
die Wurzel aus der Vier gefunden.

Und doch! Karl-Heinz als "dumm" verschrien,
wird Chef - und man bewundert ihn,
und Kai in Uniform gezwängt,
steht an der Drehtür und empfängt
und braucht in Englisch höchstens dies:
"Good morning, Sir!" und manchmal "Please!"

Hieraus ersieht der dümmste klar,
daß der, der "dümmer", klüger war!


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Die Tänzerin

Erst tanzt sie nach rechts, dann tanzt sie nach links,
dann bleibt sie in der Mitte.
Dann tanzt sie nach links und wieder nach rechts,
sie hat so ihre Schritte.
Dann hebt sie den Arm, dann senkt sie das Haupt,
voll Schmerz sind ihre Züge.
Dann hebt sie das Haupt, dann senkt sie den Arm,
sie tanzt die ,,fromme Lüge".
Dann geht sie zurück und dann geht sie vor,
sehr schön ist dieser Vorgang.
Dann reißt sie sich hoch und dann fällt sie hin,
und dann fällt auch der Vorhang.


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Die U(h)rsache

Die Rathausuhr geht unentwegt,
und immer scheint sie aufgeregt,
weil - ist sie auch schon hochbetagt -
sie innerlich die Unruh plagt - ,
was sich auf uns dann überträgt...


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Drei Bilder:

Zwei Bilder hängen, ach, an meiner Wand.
Das eine ist als "Eremit" bekannt,
das andere hingegen
zeigt eine Landschaft nach dem Regen.
Das dritte Bild ist nicht zu sehn,
doch trotzdem ist es wunderschön,
nie würd ich den Verlust verschmerzen:
Das dritte Bild trag ich im Herzen!


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Dritter

Es war einmal ein stolzer Ritter,
der wurde beim Turnier bloß Dritter.
Das ging dem Armen derart nah,
daß man ihn lebend nicht mehr sah.

Er starb am siebenzehnten Maien -
an einem warmen Tag - im Freien.
Er wollte niemand bei sich haben,
so mußte er sich selbst begraben. -

Ja, Dritter ist für Ritter bitter!


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Eine Beobachtung

Herrn, die allein, aber dafür zur späten
Stunde, eine Bar oder sowas betreten,
reiten meist ein und dieselbe Masche:
eine Hand steckt in der Hosentasche!
Ist das nun einfach Verlegenheit
oder ein Akt von Verwegenheit?
Wissen sie nicht "mit den Händen, wohin",
oder soll's heißen "seht her, wer ich bin"?!
Möglich ist auch: Diese Herren von Welt
zähl'n noch mal heimlich ihr Taschengeld...


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Ein Männergesangverein

Fünfzig Herren über fünfzig
sitzen um des Tisches Rund.
Und sie essen und sie trinken
und sie wischen sich den Mund.

Da! Der Vorstand schwingt die Glocke,
und es wird ganz mäuschenstill,
denn die Glocke ist das Zeichen,
daß er etwas sagen will.

Und als er genug geklingelt -
ja, das Klingeln macht ihm Spaß -
steht er auf und spricht gewichtig:
na, ich denk, wir singen was!

Der Kapellmeister sucht emsig,
wo die Stimmgabel wohl steckt -
in der hintern Hosentasche
hat er sie endlich entdeckt.

Und er führt zum Ohr die Gabel
und macht "aaaah" - das ist der Ton,
den man nötig für den Einsatz
hat; doch, horch, sie sie singen schon!

Und sie singen viel von Liebe
und von Sehnsucht und vom Mai,
und elf Verse hat dies Liedel,
dann gehet auch das vorbei.

Müde von der Armbewegung
senkt der Dirigent den Stab,
müde von den tiefen Tönen
wischt der Baß den Schweiß sich ab.

Der Tenor erzählt begeistert,
wie ihm heut das "fis" gelang,
und der Bariton, sich räuspernd,
sagt: "Wie gut ich heute sang!"

Doch dann sitzen alle fünfzig
wieder um des Tisches Rund.
Und sie essen und sie trinken
und sie wischen sich den Mund...


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Ein Ostergedicht

Wer ahnte, daß zum Weihnachtsfest
Cornelia mich sitzenläßt?

Das war noch nichts: zu Ostern jetzt
hat sie mich abermals versetzt!

Nun freu' ich mich auf Pfingsten -
nicht im geringsten!


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Ein Pianist spielt Liszt

O eminenter Tastenhengst,
der du der Töne Schlachten lenkst
und sie mit jeder Hand für sich
zum Siege führst, dich preise ich!

Du bist ein gottgesandter Streiter,
ein Heros, ein Akkordarbeiter.
Im Schweiße deiner flinken Finger,
drückst du auf jene langen Dinger,
die man gewöhnlich Tasten nennt,
und die, grad wie beim Schach, getrennt
in Schwarz und Weiß ihr Dasein fristen,
als Requisit des Pianisten.
Doch nicht nur deiner Finger Schwielen
brauchst du zum Greifen und zum Spielen,
nein, was man meistens gar nicht glaubt:
du brauchst dazu sogar dein Haupt!
Mal fällt's, als ob du schlafen mußt,
auf deine stark erregte Brust,
mal fällt's mit furchtbar irrem Blick,
so weit es irgend geht, zurück,
und kommst du gänzlich in Ekstase,
hängt dir ein Tropfen an der Nase.
Und hast du endlich ausgerast,
sagt sich der Hörer: Liszt - not last!

O eminenter Tastenhengst,
der du der Töne Schlachten lenkst
und sie mit jeder Hand für sich
zum Siege führst, dich preise ich!
Und jeder Hörer merkt alsbald:
du siegst mit Liszt, nicht mit Gewalt!


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Ein Trauertag

Hunderttausend Menschen strömen
auf die Friedhöfe der Städte.
Die Gedanken gehn nach unten
und nach oben die Gebete.

Vater Staat hat uns befohlen,
heut der Toten zu gedenken -
ihnen Kränze oder Blumen
oder Tränen gar zu schenken!

Vater Staat mischt sich in alles,
selbst in die intimsten Dinge -
als ob der, der wirklich trauert,
nicht auch so zum Friedhof ginge.


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Ein Weihnachtslied

Es ist Weihnachten geworden.
Kalter Wind bläst aus dem Norden
und hat Eis und Schnee gebracht.

Doch am Weihnachtsbaum die Kerzen,
die erwärmen unsre Herzen,
und des Kindes Auge lacht.

Und man sieht auf den verschneiten
Straßen weiße Engel schreiten
durch die stille, heil'ge Nacht.


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Ein Zyklus

Der Frühling

Und wieder ist es Mai geworden,
es weht aus Süden statt aus Norden.
Die Knospen an den Bäumen springen,
und Vogel, Wurm und Kater singen:
fidi rallala, fidi rallala.

Der Herbst

Und wieder ward es Herbst hienieden,
es weht aus Norden statt aus Süden.
Die Knospen an den Bäumen ruhen,
und auch die Kater haben nichts zu tuen.
Ralla fididi, ralla fididi.


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Es ist nicht alles Gold. was glänzt

Oft glänzt der Himmel strahlend blau,
und oft glänzt eine Hose,
oft glänzt die Nase einer Frau
vor dem Gebrauch der Puderdose.
Durch Abwesenheit glänzt das Glück!

Durchs Bohnern glänzt die Diele -
man rutscht drauf aus und bricht's Genick!
(Zu großer Glanz ist nichts für viele!)


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Es scheint so

Es scheint so, daß auf dem Planeten,
den wir so gern mit Füßen treten
und ihn dadurch total verderben
- daß also hier nur Gute sterben!

Denn: las man je im Inserat,
daß ein Verblichner Böses tat,
daß er voll Neid war und verdorben,
und daß er nun mit Recht gestorben?
Es kann hier keinen Zweifel geben:
die Schlechten bleiben alle leben!


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Fast eine Fastenkur

Alte Brötchen. Saure Weine.
Ein Salatblatt. Guß auf Beine.
Hunger nagt im Magen-Sektor.
Und er knurrt. Wie draußen Hektor.

Will nicht mehr gesund und schlank sein!.
Will dann lieber dick und krank sein!

Kehrt zurück, ihr großen fetten
Schnitzel oder Schweinskotletten
und auch ihr, ihr Leibbeschwerden!
Bin es satt, nie satt zu werden!


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Flecke

Gott, voller Weisheit, hehr und mild
schuf uns nach seinem Ebenbild
Gewiß, wir Menschen sind gescheit,
doch wo ist unsre Menschlichkeit?
Erscheint uns jemand edel, groß,
so täuscht das: er verstellt sich bloß!
Erst wenn er Böses tut und spricht,
zeigt er sein wahres Angesicht!-

Um obiges nun zu beweisen,
laßt alphabetisch uns verreisen,
dann kann man sehn, was so geschah!
Wir fangen vorne an, bei A !!!

A (Amerika)

Amerika, du Land der Super-
lative und dort, wo James Cooper
zwar seinen "Lederstrumpf" verfaßte,
man aber die Indianer haßte,
weshalb man sie, halb ausgerottet,
in Reservaten eingemottet,
sich dafür aber Schwarze kaufte,
sie schlug und zur Belohnung taufte,
doch heute meidet wie die Pest,
sie aber für sich sterben läßt-
wie beispielgebend stehst du da
für Menschlichkeit! O USA!

B (Briten)

Jedoch auch sie, die vielen Briten,
die Schott- und Engländer, sie bieten
für unser Thema Menschlichkeit
so manchen Stoff seit alter Zeit!
Nur waren's statt Indianer Inder,
die sie ermordeten, auch Kinder;
und ähnlich Schreckliches erfuhren
danach die Iren und die Buren,
die man durch den Entzug des Fetts
verschmachten ließ in den Kazetts!
Jedoch bei Völkern, welche siegen,
wird sowas immer totgeschwiegen...

C (Christen)

Dann wäre da, bar jeden Ruhms,
so manche Tat des Christentums,
die, eben wegen seiner Lehre,
am besten unterblieben wäre!
Man denke da zum Beispiel an
Inquisition zuerst und dann
an Waffensegnung mit Gebeten,
um andre Gläubige zu töten!
Auch dieses: lieber Menschenmassen
verelenden und hungern lassen,
statt man Geburtenreglung übe-
auch das zeugt nicht von Menschenliebe!

D (Deutschland)

Nun: Wollt ihr, daß im Alphabet
es mit dem D jetzt weitergeht?
Ist es nicht besser, wenn ich ende?
Wascht nur in Unschuld eure Hände
und greift, kraft eigenen Ermessens,
zum güt'gen Handtuch des Vergessens...

Doch hilft das Waschen nicht und Reiben:
Die Flecke bleiben!


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Fürchterliche Ballade

1
Der Saal erglänzt im hellsten Kerzenstrahle,
und lust'ger Sang ertönt aus jeder Kahle.
Und Tänzer fliegen auf der Freude Schwingen,
doch ein Herz klopft voll Kummer und voll Bingen.
Es ist das Herz des Fräuleins Leonore,
das Fräulein mit dem rabenschwarzen Lockenhoore.
Lenoren sah man mit dem Ritter Kunzen
schon etliche Galopps zusammen tunzen.
Das sah auch Ritter Veit, und Eifersucht
ward gleich in seiner stolzen Brust entfucht.
Zu Kunzen geht er hin und sagt ihm grimmig:
"Gleich gehst du mit mir, oder Gott verdimm mich!"

2
Der Garten glänzt im hellsten Mondenstrahle,
und aus den Zweigen tönt das Lied der Philomale.
Der Ritter Veit zieht seine Klinge nackicht
und steht voll Mordbegier im dunklen Dackicht.
Der Ritter Kunz naht jetzt und spricht: "Was soll ich?"
Da sagt sein Feind: "Dein Schwert zieh oder deinen Dollich!"
Schon fechten sie in wildentbranntem Trotzen,
daß durch die Nacht die scharfen Schwerter blotzen.
Und ehe fünf Minuten noch verstrichen,
da lagen beide jämmerlich durchstichen.

3
Kaum hörte man im Saal Geklirr der Klingen,
so deckte Leichenblässe alle Wingen.
Schnell stürzet alles nach der dunklen Grotte
und sieht bald, was sich da ereignet hotte.
Lenore ruft: "Ich komm' zu späte!
Sie liegen beide tot in ihrem Bläte!"
So ruft die Jungfrau, tugendreich und edel,
und nimmt aus ihren Haaren eine spitze Nedel,
blickt in den Mond mit Schauder und mit Grausen
und stößt die Nadel tief in ihren Bausen.
Und alles sieht mit Angst und mit Entsetzen
der Jungfrau rotes Blut hochaufwärts spretzen.
Schon sinkt sie hin, die so viel Anmut hatte,
und auf zwei Leichen lieget jetzt die dratte.

Moral:
Aus wilder Eifersucht entstehet immer
Not, Drangsal Trübsal, Pein und grosser Jimmer


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Fussball

Vierundvierzig Beine rasen
durch die Gegend ohne Ziel,
und weil sie so rasen müssen,
nennt man das ein Rasenspiel.

Rechts und links stehn zwei Gestelle,
je ein Spieler steht davor.
Hält den Ball er, ist ein Held er,
hält er nicht, schreit man: ,,Du Toooor !"

Fußball spielt man meistens immer
mit der unteren Figur.
Mit dem Kopf, obwohl's erlaubt ist,
spielt man ihn ganz selten nur.


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Gänseblümchen

Ein Gänseblümchen liebte sehr
ein zweites gegenüber,
drum rief's: "Ich schicke mit 'nem Gruß
dir eine Biene 'rüber!"

Da rief das andere: "Du weißt,
ich liebe dich nicht minder,
doch mit der Biene, das laß sein,
sonst kriegen wir noch Kinder!"


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Ganz zuletzt

O, wär ich
der Kästner Erich!
Auch wär ich gern
Christian Morgenstern!
Und hätte ich nur einen Satz
von Ringelnatz!
Doch nichts davon! - Zu aller Not
hab ich auch nichts von Busch und Roth!
Drum bleib ich, wenn es mir auch schwer ward,
nur der Heinz Erhardt.......


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Gedanken am Samstagabend

Im Wasser schwimmt der Gummischwamm,
denn heut ist Samstag, und ich bade.
Zwei Zähne fehlen mir am Kamm,
es duftet laut nach Haarpomade.

Das Waser tropft ins Abflußrohr,
der Stöpsel scheint nicht gut zu schließen.
Ich habe Seife in dem Ohr
und Hühneraugen an den Füßen.

Das Wasser ist schon stark getrübt,
und mühsam wälzen sich die Fluten.
Ich bin seit vorgestern verliebt,
da hilft kein Blasen und kein Tuten.


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Gedanken an der Ostsee

Wie wär die Welt so wunderbar,
umspült vom blauen Meere,
wenn diese Welt, wie's einstmals war,
ganz ohne Menschen wäre.

Dann gäb's kein Hoffen, kein Verzicht,
kein Hassen und kein Morden,
und wär bestimmt auch dies Gedicht
nicht hingeschrieben worden.


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Gerüchte um Gerichte

Es gibt Gerüchte,
daß Hülsenfrüchte -
in Mengen genommen -
nicht gut bekommen.
Das macht ja nichts, ich finde das fein!
Warum soll man nicht auch mal ein Bläh-Boy sein!


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Goethes Fischer

Das Meer ist angefüllt mit Wasser
und unten ist's besonders tief.
Am Strande dieses Meeres saß er,
das heißt, er lag, weil er ja schlief.

Drum noch einmal: Am Meere saß er,
das heißt, er lag, weil er ja schlief,
und dieses Meer war voll von Wasser,
und unten war's besonders tief.

Da plötzlich teilten sich die Fluten,
und eine Jungfrau trat herfür.
Auf einer Flöte tat sie tuten,
das war kein schöner Zug von ihr.

Dem Fischer ging ihr Lied zu Herzen,
obwohl sie falsche Töne pfoff.
Man sah ihn in die Fluten sterzen,
da ging er unter und versoff.


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Harte Schicksale

Wer sich mal in die Nesseln setzt,
ist erst erschrocken, dann verletzt,
erhebt sich mühevoll und schreit
nach bessrer Sitzgelegenheit.

Den Nesseln, auch wenn sie schön blühn,
sind weiche Stühle vorzuziehn.
Auf Weichem sitzt man stets apart...
Nicht weich zu sitzen, das ist hart!


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Heinz Erhardt in eigener Sache

Ich häng oft den Gedanken nach,
die teilweis stürmisch, teils gemach
die Gänge meines Hirns erfüllen.
Doch denken kann ich nur im Stillen.
Im Wald zum Beispiel ! Zwischen Bäumen,
dort kann ich dichten, kann ich träumen.
In Gegenwart von Baum und Tier,
da kommen die Gedanken mir.
Allein, inmitten jener Wesen,
die schreiben können und auch lesen,
die lieben könnten, doch nur hassen,
fällt mir nichts ein, da muß ich passen!


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Hero und Leander*
oder Falsche Sparsamkeit

1
Die Ansichtskarte

Der Hero und auch die Leander,
die hatten gar nichts miteinander.

Das lag hauptsächlich an der Länge
und Breite jener Meeresenge,
die man, hat man nicht grad gepennt,
als Hellespont von früher kennt.

Doch war der Hero ja schon immer
bekannt als Sportler, nämlich Schwimmer,
weshalb er eines Mittwochs rief:
„Ich schwimme zu ihr, ist's auch tief!
Ist auch die Strecke nass und lang -
was macht das schon, mir ist nicht bang!
Ich arbeite bis Freitag bloß,
dann schwimme ich nach Dienstschluss los!”

Drauf schrieb er eine Ansichtskarte:
„Ich komm ganz früh am Samstag, warte!
Doch weil du, liebe Lea, faktisch
direkt am Ufer wohnst, was praktisch,
so zünde eine Kerze an
und stell sie in dein Fenster dann,
damit sie leuchte und mich leite
zu dir, bis auf die andre Seite!
In sechs bis sieben Stunden höchstens
bin ich dann da! - Leb wohl! Bis nächstens!
Ich geb dir'n Vorschusskuss, hier hast'n ...!”
und warf die Karte in den Kast'n. -

Und Freitag nacht, wie vorgeseh'n,
sprang er - die Uhr war kurz nach zehn -
bekleidet nur mit einer Hose,
im Munde aber eine Rose,
und mit Salatöl eingerieben,
ins Wasser, mit dem Ziel nach drüben ...


2
Der Untergang

Das Meer geht hoch, die Winde wehn ...
Die Nacht ist schwarz, er kann nichts sehn -
den Mond und auch die Sterne nicht,
doch auch nicht seiner Liebsten Licht ...
Wie sehr er die Pupille weitet,
wo ist die Kerze, die ihn leitet?
„Pardon, geht's hier zum andern Ufer?”
brüllt er, doch niemand hört den Rufer ...

Nur schwer noch kann er sich im kalten
Gewässer über Wasser halten,
und er verliert im Meergetose
die Orientierung und die Rose ...
Er murmelt paar Mal: „Junge, Junge ...!”
dann dringt ihm Wasser in die Lunge ...
Er nimmt noch zwei, drei Schluck, drauf sinkt er
bis auf den Grund ... Und hier ertrinkt er ... -

So endete das Sein für ihn
durch eine Kerze, die nicht schien ...


3
Die Erläuterung

Nun fragen Sie wohl unterdessen:
„Weshalb hat sie das Licht vergessen?”
Weil sie, wie so das Schicksal spielt,
die Post erst Montag früh erhielt -
und da war es zu spät zum Leuchten,
da lag er schon im Grab, im feuchten ...!

Hätt er ein Telegramm geschickt,
wär ihm das Vorhaben geglückt!


* Schon der österreichische Dichter Parzer,
der nebenbei auch den Grill erfand und deshalb meist Grillparzer genannt wird,
hatte obiges Liebespaar in seinem Lustspiel „Des Meeres liebe Wellen” zum Vorwurf genommen,
ohne dass man ihm einen solchen machen könnte ...!


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In der Schule drüben

"Sagt mir, ihr lieben Jungs, geschwind,
wer wohl die beiden Großen sind,
die denen, die reich und bezopft,
erfolgreich auf den Busch geklopft?
Die man seit vorigem Jahrhundert
studiert, versteht, liebt und bewundert?
Die wir durch Wort und Bilder kennen?
Wie mögen sich die beiden nennen?"

?????? ------ ??????

"Ihr wißt es nicht, ihr dummen Bengels?
Die Beiden heißen MARX und ----- ?!?"
Da meldete sich Hänschen Klein:
"Das könn'n nur MARX und MORITZ sein?!?"


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Kinder

Kinder haben es so leicht,
haben keine Sorgen,
denken nur, was mach ich jetzt,
nicht, was mach ich morgen..?
Kinder haben es so schwer,
dürfen niemals mäkeln
und sich wie der Herr Papa
auf dem Sofa räkeln...

Kinder haben es so leicht,
dürfen immer spielen,
essen, wenn sie hungrig sind,
weinen, wenn sie fielen...
Kinder haben es so schwer,
müssen so viel lernen
und, wenn was im Femsehn kommt,
sich sofort entfernen...

Kinder haben es so leicht,
naschen aus der Tüte,
glauben an den lieben Gott
und an dessen Güte...
Kinder haben es so schwer,
müssen Händchen geben -
und auf dieser blöden Welt
noch so lange leben...


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Kolumbus

Als Kolumbus von seiner Amerikafahrt
nach Spanien heimkam mit Gold und mit Bart
und, hochgeehrt und umjubelt, schritt
durch die Hauptstadt des Landes, nämlich Madrid,
entdeckte er plötzlich da drüben rechts
eine hübsche Person femininen Geschlechts.
Bei ihrem Anblick - was war schon dabei? -
entschlüpfte ihm was und zwar das Wort ,,ei"

Seitdem sind die Forscher sich darüber klar,
daß das das ,,Ei" des Kolumbus war!


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Kurz vor Schluß

Schön ist der Wein, bevor er getrunken,
schön ist das Schiff, bevor es gesunken,
schön ist der Herbst, solange es Mai ist,
schön ist der Leutnant, solang er aus Blei ist.

Schön ist das Glück, wenn man es nur fände,
schön ist dieses Buch, denn gleich ist's zu Ende


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Leicht zu sagen

Du irrst, wenn du sagst, es sei leicht,
was Leichtes hinzuschreiben,
was lustig - aber nicht zu seicht -
die Sorgen hilft vertreiben.

Leicht ist, ich bitt dich zu verzeihn,
das sogenannte Ernste,
das braucht nicht angeborn zu sein -
das kannste bald, das lernste!


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Letzte Bitte:

Der Tag geht nun zur Neige
und leise kommt die Nacht.
Ich danke Dir für alles,
was Du für mich gemacht.

Du hast mich stets getröstet,
wenn mir was nicht geglückt
und hast so oft aus Liebe
ein Auge zugedrückt.

Jetzt geht mein Weg zu Ende.
Und leg ich mich zur Ruh,
so falte meine Hände
und dann nimm Deine Hände:
drück beide Augen zu


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Letzter Rat

Bevor man dich verbrennt zu Asche
verhindere, daß man dich wasche.
Versenkt man dich dann in den Keller,
verbrennst du, ungewaschen, schneller!

Wenn sie jedoch die Absicht haben,
dich einst im Ganzen zu begraben,
dann sei appetitlich, frisch und rein -
die Würmer werden dankbar sein!


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Liebe Sonne

Nach so vielen Regenwochen
kamst du endlich vorgekrochen,
froh sind Menschen, Tier und Gras!
Schein auf unsre Mutter Erde,
daß sie wieder trocken werde,
liebe Sonne, tue das!

Trockne sie und unsre Tränen
und den Kuckuck, der ganz naß!
Schick uns nach den langen Qualen
deines Fehlens alle Strahlen -
und besonders diese netten,
diese ultravioletten!

Liebe Sonne, schein' uns was!


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Löwenzahn

Löwenzahn ist schon seit jeher
als höchst kriegerisch verschrien,
denn er läßt bei gutem Winde
Fallschirmtruppen feindwärts ziehn.
Und ich sitz auf der Veranda
und verzehre meine Suppe
und entdecke in derselben
zwei Versprengte dieser Truppe.


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Milch

Es bot der arme Trödlersmann
dem Grafen ein Gemälde an,
das zeigte farbig, froh und frisch,
zwei Gläser Milch auf einem Tisch.
Der das gemalt, war namenlos -
das Bild dagegen rahmenlos.

Da sprach der Graf zum Trödlersmann:
"Was fang ich ohne Rahmen an?
Der Rahmen ist das A und O -
für dieses Machwerk sowieso!
Und dann der Preis! Ganz unerhört!
So viel sind zwei Glas Milch nicht wert!
Und außerdem fehlt, wie ich sag,
der Rahmen! Also - guten Tag!"

Da packte unser Trödlersmann
das Bild ein und sprach traurig dann:
"Wie doch's Intresse gleich erlahmt
an Milch, ist sie, wie hier, entrahmt!"


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Moderne Sinfonie

Droben sitzet die Kapelle,
festlich und gestimmt ist sie.
Schon ertönt die dritte Schelle -
gleich beginnt die Sinfonie.
Nun wird's stille; denn es zeigt sich
der Maestro, wohlbefrackt,
steigt auf's Podium, verneigt sich,
dreht sich um und schlägt den Takt.
Geiger geigen, Bläser blasen,
Pauker pauken, Harfe harft -
alle Noten dieses Werkes
werden schonungslos entlarvt...

Droben schwitzet die Kapelle,
auch der Dirigent hat's satt! -
Morgen können wir dann lesen,
ob es uns gefallen hat...!


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Nächstenliebe

Die Nächstenliebe leugnet keiner,
doch ist sie oft nur leerer Wahn,
das merkst am besten du in einer
stark überfüllten Straßenbahn.
Du wirst geschoben und mußt schieben
der Strom der Menge reißt dich mit.
Wie kannst Du da den Nächsten lieben,
wenn er dich auf die Füße tritt?!


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Nero:

Nero war nicht nur ein Kaiser,
sondern auch fast immer heiser,
was hauptsächlich daran lag,
daß bei Nacht er und am Tag,
je nachdem, wo etwas los war,
wenn's auch eine Kirmes bloß war,
kurz: bei jeder frohen Feier -
Lieder sang zu seiner Leier
und das stets mit vollem Ton,
denn noch gab's kein Mikrofon.

Selbst als Rom hellodernd brannte
und das Volk sich an ihn wandte,
stand er mittendrin im Dampfe,
sang Couplets und schlug die Klampfe.

Er war in der Welt des Scheins
eine, wenn auch heisre, Eins.
Sonst jedoch war Kaiser Nero
- unter uns gesagt - ein Zero.


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Noch'n Abschied

Es gibt so viele Abschiedslieder,
man hört im Funk sie immer wieder.
Meistens singt sie ein Tenor,
mal singt er mit, mal ohne Chor.
Ich hab ein wenig nachgedacht
und auch so'n Abschiedslied gemacht!

Lebe wohl, adieu, auf Wiedersehn,
addio, tschüß, na denn, gehab dich wohl!
Nun hau schon ab! Viel Glück, bleib gesund,
adé, machs gut, bis bald, Mahlzeit, Moin!
Ich kann auch auswärts: Au revoir, bye-bye,
arrivederci, oder auch proschtschai!
Nun kommt noch: tschau und servus, na und jetz'
fehlt nur noch das Zitat vom.....

" ... ach, ich hab vergessen wie der heißt!"


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Oben ohne

Natur ist immer dort sehr schön,
wo Bäume ihr zu Berge stehn,
und wenn der Wind behutsam leicht,
wie'n Kamm durch durch diese Bäume streicht.

Doch wo die Berge kahl und steinig
da ist nichts los! - Sei'n wir doch einig,
daß Schönheit meistens nicht viel zählt,
wenn's oben fehlt!


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Rennen und Rasen

Wie sie alle rennen und rasen,
Als ob es ihr Leben gilt,
Durch den Wald der Häuser und Straßen
Wie von Hunden gehetztes Wild.

Noch schneller, noch schneller, noch schneller
Dem eigenen Schall hinterher -
Sie könnten's nicht ertragen,
Wenn der andre noch schneller wär.

Nicht so eilig, nur nicht so eilig,
Wenn du dir Zeit läßt, hast du vom Leben mehr.
Langsam, langsam, nur immer schön langsam,
Bei zuviel Vollgas, da ist der Tank bald leer.

Nicht so hastig, nein - nur nicht so hastig,
Denn daß man Zeit spart, das ist ein Selbstbetrug.
Sachte, sachte, nur immer schön sachte,
das bißchen Leben, das vergeht noch schnell genug.


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Schal und Rauch

Und der Rauch der Zigarette
kräuselt sich und steigt zur Decke,
und da oben wird er breiter.

Und nun sieht er Deinem blauen
Schal so ähnlich, dem ich zürnte,
weil er das tat, was du ständig
mir verbotest, nämlich dieses:
Dich ganz zärtlich zu umhalsen.

Doch nun ist der Rauch verflogen.
nichts erinnert an den Schal mehr,
höchstens der Geschmack im Munde,
den ich habe, weil er schal ist.

(Danke an Bianca)


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Schimpfen

Schimpfe nicht auf Sozialisten -
oder auf Nationalisten -
oder gar auf Klerikale -
und auch nicht auf Liberale!
Schimpf nicht auf die Kaisertreuen -
oder auf die Neo-Neuen -
schimpfe nur auf jene, die's
Land regiern, als könnten sie's!


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Sehnsucht

Ich sehne mich nach einem Häuschen
in Bayern oder an der Spree,
ein Zimmer braucht es nur zu haben,
dazu ein Bad und ein W.C.

Im Zimmer würde ich notieren,
was ich beim Baden grad gedichtet,
und im W.C. würd' dann das Machwerk
von mir gleich hinterrücks vernichtet.


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Trost

Immer wenn ich traurig bin,
trink' ich einen Korn.
Wenn ich dann noch traurig bin,
trink ich noch 'nen Korn.
Und wenn ich dann noch traurig bin,
dann trink ich noch 'nen Korn...

...und wenn ich dann noch traurig bin,
fang' ich an von vorn.

(Danke an nisi)


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Überlistet

Wenn Blätter von den Bäumen stürzen,
die Tage täglich sich verkürzen,
wenn Amsel, Drossel, Fink und Meisen
die Koffer packen und verreisen,
wenn all die Maden, Motten, Mücken,
die wir versäumten zu zerdrücken,
von selber sterben - so glaubt mir:
es steht der Winter vor der Tür!

Ich laß ihn stehn!
Ich spiel ihm einen Possen!
Ich hab die Tür verriegelt
und gut abgeschlossen!
Er kann nicht rein!
Ich hab ihn angeschmiert!
Nun steht der Winter vor der Tür -
und friert!


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Urlaub im Urwald

Ich geh' im Urwald für mich hin ...
Wie schön, daß ich im Urwald bin:
man kann hier noch so lange wandern,
ein Urbaum steht neben dem andern.
Und an den Bäumen, Blatt für Blatt,
hängt Urlaub. Schön, daß man ihn hat!


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Verrat

Spinne, Spinne, spinne du
ruhig weiter, ich schau zu.
Bald kommt eine Fliege dann,
die sich nicht befreien kann,
saugst ihr Blut aus, Glied für Glied.
Wünsch dir guten Appetit!

Fliege, Fliege, fliege nur
ruhig weiter durch den Flur.
Doch die Ecke mußt du meiden,
Willst du nicht entsetzlich leiden,
denn dort hängt ein Spinnennetz!
Böse, Spinne, daß ich petz'?


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Vom Alten Fritz

Vom Alten Fritz, dem Preußenkönig,
weiß man zwar viel, doch viel zu wenig.
So ist es zum Beispiel nicht bekannt,
daß er die Bratkartoffeln erfand!
Drum heißen sie auch - das ist kein Witz -
Pommes Fritz!


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Von A bis E

Herr Afeu frug Herrn Befeu:
"Wo bleibt denn bloß Herr Cefeu?"
Da sprech Herr Befeu: "Cefeu?
Der sitzt mit Fräulein Defeu
dort unten hinterm Efeu!"

(Danke an Julia Burkhardt)


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Wahrheit:

Die schlechtesten Bücher sind es nicht,
an denen Würmer nagen,
die schlechtesten Nasen sind es nicht,
die eine Brille tragen.
Die schlechtesten Menschen sind es nicht,
die Dir die Wahrheit sagen.


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Warum die Zitronen sauer wurden...

Ich muß das wirklich mal betonen:
Ganz früher waren die Zitronen
(ich weiß zwar nicht genau mehr wann dies
gewesen ist) so süß wie Kandis.

Bis sie einst sprachen: „Wir Zitronen,
wir wollen groß sein wie Melonen!
Auch finden wir das gelb abscheulich,
wir wollen rot sein, oder bläulich!"

Gott hörte oben die Beschwerden
und sagte: „Daraus kann nichts werden!
Ihr müßt so bleiben! Ich bedauer!"
Da wurden die Zitronen sauer...


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Was wär...

Was wär ein Apfel ohne -sine,
was wären Häute ohne Schleim,
was wären Vita ohne -mine,
was wärn Gedichte ohne Reim ?
Was wär das E ohne die -lipse,
was wär veränder ohne -lich,
was wären Kragen ohne Schlipse,
und was wär ich bloß ohne Dich ?


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Weihnachten 1944
(Als ich keinen Urlaub bekam)

Wenn es in der Welt dezembert
und der Mond wie ein Kamembert
gelblich rund, mit etwas Schimmel
angetan, am Winterhimmel
heimwärts zu den Seinen irrt
und der Tag stets kürzer wird -
sozusagen wird zum Kurztag -
hat das Christkindlein Geburtstag!
Ach, wie ist man dann vergnügt,
wenn man einen Urlaub kriegt.
Andererseits, wie ist man traurig,
wenn es heißt: "Nein, da bedaur ich!"
Also greift man dann entweder
zu dem Blei oder der Feder
und schreibt schleunigst auf Papier
ein Gedicht, wie dieses hier:
Die Berge, die Meere den Geist und das Leben hat Gott zum Geschenk uns gemacht;
doch uns auch den Frieden, den Frieden zu geben, das hat er nicht fertiggebracht!
Wir tasten und irren, vergehen und werden, wir kämpfen mal so und mal so...
Vielleicht gibt's doch richtigen Frieden auf Erden?
Vielleicht gerade jetzt -- Aber wo?...

(Danke an Bine)


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Zeus:

Im Himmel machte er die Blitze,
auf Erden aber lieber Witze.
So hatte er, als Tier verwandelt,
sehr oft mit Damen angebandelt

Einst näherte er sich - als Stier -
Europa und sprach keck zu ihr:
,,Ich bin der Zeus ! Macht keine Zicken
und setzt Euch hier auf meinen Rücken!
Halt't Euch am Home fest und flieht
mit mir dorthin, wo's keiner sieht!"
Erst zierte sich das Mädchen sehr ---
dann weniger - dann wieder mehr---
da wurde es selbst Zeus ganz klar,
wie uneinig Europa war!
Und es ist gar nicht übertrieben,
zu sagen, es sei so geblieben ! -

Durch alte Schriften ist belegt,
daß Vater Zeus fast unentwegt
nach unten kam, sich abzulenken --
statt oben ans Regiern zu denken,
bis seine Frau, die Hera hieß,
ihn einfach nicht mehr runterließ.
Im Himmel aber, da verlor
er jeden Sinn für den Humor -

drum hört man auch vom alten Zeus
nichts Neus!


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Zur Pause

Ich sag' es ehrlich, oft geschah's,
das ich im Leben was vergaß;
doch manches wiederum hindessen
vergaß ich leider zu vergessen.
Was ich mit Recht vergessen sollte,
war, das ich noch was dichten wollte.
Deshalb, o Muse, fleuch' nach Hause,
ich mach jetzt

ZEHN MINUTEN PAUSE!

(Danke an Susanne Radtke)


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Zweifel

Nein, nicht jeder Filmakteur
treibt mit dem Talent Verschwendung,
und nicht jeder Fernsehstar
glaubt an sich und seine Sendung.

Mancher Ofen heizt die Luft
überm Haus und drinnen rußt er,
mancher wird ein Diplomat
und bleibt trotzdem nur ein Schuster.

Mancher Käptn, der zur See
schiffen möcht, kahnt auf der Weser,
mancher hadert mit dem Sein
und dem Ich. Und du mein Leser?

(Danke an Peter)






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