Gedichte von Heinz Erhardt

Tierisches


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An die Bienen
Artverwandt
Bel Ami
Da ist ein Geräusch...
Das Finkennest
Das Fischchen
Das Kälbchen
Das Lama
Das Reh
Den Unverstandenen
Der Auerhahn
Der Brummer
Der Hirschkäfer
Der Igel
Der Kabeljau
Der Löwe
Der Regenwurm
Der Saurier
Der Schatz
Der Schmetterling
Der Spatz
Der Spatz (2)
Der Specht
Der Stier
Der Wurm
Die Eule
Die Fliege
Die Kellermaus
Die Kuh
Die Libelle
Die Made
Die Maus
Die polyglotte Katze
Die Q
Die Schnecke
Die Untermieterin
Die Weihnachtsgans
Drei Bären
Drei Raupen
Ein Brief aus Hagenbeck
Ein Traum
Ein Volkslied
Eßt mehr Fisch
Ferien auf dem Lande
Heißer Mai
Humanistisches Frühlingslied
Hund und Herrchen
In vier Zeilen
Kein Tier vermag sich...
Kleiner Vogel
Knabe mit erkältetem Käfer
Rechtschreibung
Stiche
Verrat
Vogel und Baum
Vögel
Weidende Seekuh



Heinz Erhardt




An die Bienen

Bienen! Immen! Sumseriche!
Wer sich je mit euch vergliche,
der verdient, daß man ihn töte!
Daß zumindest er erröte!
Denn, wie ihr in Tal und Berg schafft
ohne Zutun der Gewerkschaft,
ohne daß man euch bezahle,
ohne Streik und Lohnspirale,
täglich, stündlich darauf bedacht,
daß ihr für uns Honig macht,
ihr seid's wert, daß man euch ehre!
Wobei vorzuschlagen wäre -
ob nun alt ihr, ob Novizen -
euch von heute ab zu siezen!
Unser Dank, unser Applaus
säh in etwa dann so aus:
"Sehr geehrte Honigbienen!
Wir Verbraucher danken Ihnen!"


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Artverwandt

Klingling, so klingt's im Großen Belt.
Das ist der Schellfisch, der da schellt.
Er klingelt, nur gemütlicher,
wie die Gebirgskuh südlicher. -

Das war bis heute unbekannt,
dass Kuh und Schellfisch artverwandt.


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Bel Ami

Etwas, was uns in dem Leben
jedesmal mit Recht missfällt,
das ist das, wenn in der Neben-
wohnung eine Hündin bellt.
Ich ging also hin und schellte;
doch ich klagte ohne Grund,
denn was da so dauernd bellte,
war nicht Hündin, sondern Hund.
Hieß Ami und war ein Dober-
mann vom Scheitel bis zum Schwanz
und gehört einem Ober-
lehrer. (An der Türe stand's.)
Der Ami war so bescheiden
und so lieb, dass ich verzieh:
„Lieber Freund, ich mag dich leiden,
wenn du willst, dann bell, Ami.”


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Da ist ein Geräusch
tief unter'm Gesträusch.
Wer's hört, der wird platzen,
das sind die Würmer, die schmatzen.

(Danke an Walter Mohr)


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Das Finkennest

Ich fand einmal ein Finkennest,
und in demselben lag ein Rest
von einem Kriminalroman.
Nun sieh mal an:
der Fink konnt lesen!
Kein Wunder, es ist ein Buchfink gewesen.


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Das Fischchen

Ein Fischchen einst im Wasser saß
und von dem Wasser wurd ganz naß,
das Fischchen.
Das Fischchen wollt gern trocken sein,
doch hatte es kein Handtuch, nein,
das Fischchen.
Da sprang das Fischchen, hops, an Land
und drehte sich paarmal im Sand,
und als dann kam das Morgenrot,
war´s Fischchen trocken - aber tot.
Das Fischchen.


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Das Kälbchen

Es spielt das Kind vom Rind im Wind,
ist froh und guten Mutes.
Es kennt nicht Not, nicht den Papa,
nicht den Geruch des Blutes.

Der Weg ist weit, der Kasten eng,
das Kälbchen ahnt nichts Gutes.
Der Schlächter ist kein schlechter Mann,
doch muß er's tun - und tut es.

Das Kälbchen existiert nicht mehr,
in unseren Mägen ruht es,
doch nachts erscheint es uns im Traum,
und traurig muh - muh - muht es.


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Das Lama

In dem Land des weisen Brahma
lebte jahrelang ein Lama,
dem es niemals wollte glucken,
weit im Bogen auszuspucken.

Schrecklich litt es seelisch wegen
diesem seinem Unvermögen;
und die Tränen warn ihm nah,
wenn es andre spucken sah.

Heimlich übte es im Sitzen
oder Stehn, den Mund zu spitzen,
um dann zielgerecht durch dessen
Spalt den Strahl hinauszupressen;
doch selbst in bequemster Lage
förderte es nichts zutage.

Und - so endet dieses Drama -
schließlich mußte unser Lama
vor den Thron des Brahma traben,
ohne je gespuckt zu haben.


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Das Reh

Das Reh springt hoch, das Reh springt weit.
Warum auch nicht - es hat ja Zeit!


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Den Unverstandenen

Stumm ist der Fisch, doch nicht nur er:
Auch einen Wurm verstehst du schwer.

Selbst deines treuen Hunds Gebell
Entzifferst du nicht immer schnell.

Auch bei den Rindern, Hühnern, Schweinen
kannst du nur raten was sie meinen

Drum spreche ich als Anwalt hier
für jedes unverstandne Tier.

(Für'n Papagei brauch ich das nicht,
weil er ja für sich selber spricht!)


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Der Auerhahn

Der Auerhahn, der Auerhahn,
der schaut mich ganz schön sauer an.
Das stört mich nicht, weil ich jetzt penne,
und zwar auf seiner Auer-Henne.


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Der Brummer

Der Brummer, der mich so geplagt
und den ich hundertmal gejagt,
und den ich niemals kriegen konnte,
weil er ja leider fliegen konnte,
und der mir manchen Schlaf verdorben,
der Brummer ist, gottlob, verstorben.
Er starb an Bauchweh und Migräne. -
De mortuis nil nisi bene! *

(* Latein: von Toten soll man nur gut sprechen)


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Der Hirschkäfer

Ein Hirschkäfer, der weidete
mit seinen siebzehn Rehen,
und jedermann beneidete
ihn um die vielen Ehen.

Da kam der Knabe Fritz heran-
die Rehkäfer entkamen;
der Hirsch jedoch griff mutig an,
zu schützen seine Damen!

Er mußte sterben.- Mit der Lei-
che rannte heim der Bube---!
Jetzt ziert des Käfers Hirschgeweih
Schwesterchens Puppenstube...

(Danke an Christian)


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Der lgel

Der Igel sprach zur Igelin:
"Du weißt nicht, wie verliebt ich bin!
Ich liebe dich wie nichts so."

Dann drückte er sie fest an sich,
worauf sie schrie: "Auch ich lieb' dich,
doch laß das sein, du stichst so!"


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Der Kabeljau

Das Meer ist weit, das Meer ist blau,
im Wasser schwimmt ein Kabeljau.
Da kömmt ein Hai von ungefähr,
ich glaub von links, ich weiß nicht mehr,
verschluckt den Fisch mit Haut und Haar,
das ist zwar traurig, aber wahr.
Das Meer ist weit, das Meer ist blau,
im Wasser schwimmt kein Kabeljau.


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Der Löwe

Der Löwe hat ne Mähne
und weiter vorne Zähne,
jedoch bei der Fr. Sanders
ist alles ganz anders.

Sie hat man siehts beim Gähnen,
die Haare auf den Zähnen.

(Danke an Andreas Frieg)


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Der Regenwurm

Ein langer dicker Regenwurm
geriet in einen Wirbelsturm,
der trug ihn bis zum Himmel.
Nun dient er oben, nein, wie fein,
dem allerliebsten Engelein
als Klöppel einer Bimmel.


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Der Saurier

Es war einmal ein schauriger,
urzeitgemäßer Saurier.
Er wohnte tief in den Morästen
und hatte keinen Drang nach Westen,
auch micht nach Süden, nicht nach Norden,
drum war auch nichts aus ihm geworden.
So sehr man es bedauerte,
der Saurier versauerte.
Da er auf jeglichem Gebiete
nichts weiter war als eine Niete,
beschloss er kurz, sich zu verfärben
und für die Nachwelt auszusterben. -
Das war, fürwahr, ein trauriger
und zeitgemäßer Saurier!

(Danke an Petra Apeldauer)


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Der Schatz

Es liegt ein Schatz begraben
dort, wo der Weg sich biegt,
und nur zwei alte Raben,
die wissen, wo er liegt!

Noch keine Menschen haben
ihn zu Gesicht gekriegt.
Nur die zwei alten Raben,
die wissen, wo er liegt.

"Hü, Rößlein, du mußt traben,
bald haben wir gesiegt!
Ich seh zwei alte Raben,
die wissen, wo er liegt!"

Ich hab am Weg gegraben,
der eine Biegung macht.
Die beiden alten Raben
haben sich totgelacht.


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Der Schmetterling

Es war einmal ein buntes Ding,
ein sogenannter Schmetterling,
der war wie alle Falter,
recht sorglos für sein Alter.
Er nippte hier und nippte dort,
und war er satt, so flog er fort,
flog zu den Hyazinthen
und guckte nicht nach hinten.
Er dachte nämlich nicht daran,
dass was von hinten kommen kann.
So kam's, daß dieser Schmetterling,
verwundert war, als man ihn fing.


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Der Spatz

Es war einmal ein grauer Spatz,
der saß ganz oben auf dem Dache,
und unten hielt die Mietzekatz
schon seit geraumer Weile Wache.
Da sagte sich das Spätzlein keck:
"Mich kann das Biest nicht überlisten!"
Bums, kam ein Habicht um die Eck
und holte sich den Optimisten. -
So kann es allen denen gehn,
die glauben, nur sie wärn die Schlauen.
Man darf nicht nur nach unten sehn,
man muß auch mal nach oben schauen!


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Der Spatz (2)

Es flog ein Spatz spazieren
hinaus aus großer Stadt.
Er hatte all die Menschen
und ihr Getue satt.

Er spitzte keck den Schnabel
und pfiff sich was ins Ohr.
Er kam sich hier weit draußen
wie eine Lerche vor.

Er traf hier auch manch Rindvieh,
sah auch manch Haufen Mist...
Er sah, daß es woanders
auch nicht viel anders ist.


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Der Specht

Auf einem Baume saß ein Specht.
Der Baum war hoch. Dem Specht war schlecht.


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Der Stier

Ein jeder Stier hat oben vorn
auf jeder Seite je ein Horn;
doch ist es ihm nicht zuzumuten,
auf so 'nem Horn auch noch zu tuten.
Nicht drum, weil er nicht tuten kann,
nein, er kommt mit dem Maul nicht 'ran!


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Der Wurm

Am Fuß von einem Aussichtsturm
saß ganz erstarrt ein langer Wurm.
Doch plätzlich kommt die Sonn, herfür
erwärmt den Turm und auch das Tier.
Da füngt der Wurm an sich zu regen.
Und heißt jetzt Regenwurm deswegen.


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Die Eule

Eine Eule saß und stierte
auf dem Aste einer Euche.
Ich stand drunter und bedachte,
ob die Eule wohl entfleuche,
wenn ich itzt ein Steunchen nähme
und es ihr entgegenschleuder'?

Dieses tat ich. Aber siehe,
sie saß da und flog nicht weiter.
Deshalb paßt auf sie die Zeule:

Eule mit Weule!


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Die Fliege

Eine Fliege flog zum Flügel,
huschte leis über die Tasten,
um dann auf dem "gis" zu rasten.
Doch nur zwei Sekunden währte
dieser Aufenthalt, dann kehrte
sie zurück zu ihrer Sippe
und erzählte unumwunden,
sie hätt' den guten Ton gefunden.


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Die Kellermaus

Es wollte eine Kleine Maus
- im Keller wohnhaft - hoch hinaus,
und eines Nachts, auf leisen Hufen,
erklomm sie achtundneunzig Stufen
und landete mit Weh und Ach
ganz oben, dicht unter dem Dach.
Dort wartete bereits auf sie
die Katze, namens Doremi.

Kaum, daß das Mäuschen nicht mehr lebte,
geschah´s, daß eine Fledermaus
ein paarmal um die Katze schwebte,
zur Luke flog und dann hinaus.
Da faltete die Katz, die dreiste,
die Pfoten und sprach: "Ist das süß!
Da fliegt die Maus, die ich verspeiste,
als Engelein ins Paradies!"


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Die Kuh

Auf der saftig grünen Wiese
weidet ausgerechnet diese
eine Kuh,
eine Kuh.

Ach, ihr Herz ist voller Sehnen,
und im Auge schimmern Tränen
ab und zu,
ab und zu.

Was ihr schmeckte, wiederkautse
mit der Schnauze, dann verdautse
und macht muh,
und macht muh.

Träumend und das Maul bewegend
schautse dämlich in die Gegend,
grad wie du,
grad wie du.


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Die Libelle

Liebe Libelle,
flieg nicht so schnelle!
Denk der Gefahren,
die deiner harren:

Bäume und Zäune,
Äste und Steine
auf allen Wegen!
Du fliegst dagegen!

Mit gebrochenen Gliedern
liegst du im Staube.
Dann kommt der Herbst,
du vermoderst im Laube...

Oder ein Vogel
will dich erhaschen,
will dich zerbeißen
und hastig vernaschen...

Oder ein Forscher
mit seinem Netze!
Erst tut er sachte,
daß nichts dich verletze
und freut sich stolz seines Besitzes!

Zu Hause jedoch nimmt er was Spitzes
und sticht's dann
durch deine weichste Stelle:
arme Libelle!

Flieg nicht so schnelle,
genieße die Stunden
oder Sekunden.
die dir zum Leben
gegeben!

Scheint warm die Sonne:
freu dich des Lichts!
Füllt Regen die Bäche,
hast du vom Leben nichts -
im Gegensatz zur Forelle!


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Die Made

Hinter eines Baumes Rinde
wohnt die Made mit dem Kinde.
Sie ist Witwe, denn der Gatte,
den sie hatte, fiel vom Blatte.
Diente so auf diese Weise
einer Ameise als Speise.

Eines Morgens sprach die Made:
"Liebes Kind, ich sehe grade,
drüben gibt es frischen Kohl,
den ich hol. So leb denn wohl!
Halt, noch eins! Denk, was geschah,
geh nicht aus, denk an Papa!"
Also sprach sie und entwich.
Made junior aber schlich
hinterdrein; und das war schlecht!
Denn schon kam ein bunter Specht
und verschlang die kleine
fade
Made
ohne Gnade. Schade!

Hinter eines Baumes Rinde
ruft die Made nach dem Kinde...


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Die Maus

Der Maus ihr Gatte wurd geschnappt
von einer Mausefalle,
nun war - verdammt und zugeklappt! -
er mausetot für alle.
Die Trauerreden fürn Gemahl,
sie gipfelten im Satze:
"Viel schneller gings auf jeden Fall
mit Falle - als mit Katze!"


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Die Q

Die Q ist, allgemein betrachtet,
derart beliebt und auch geachtet,
dass einst ein hochgelahrter Mann
für unsre Q das „Q” ersann.
So bleibt sie nun, ewig beredt,
als Buchstabe im Alphabet. -
Mich wundert's nur, dass manche Kreise
abhold sind dieser Schreibeweise.


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Die polyglotte Katze

Die Katze sitzt vorm Mauseloch,
in das die Maus vor kurzem kroch,
und denkt: "Da wart nicht lang ich,
die Maus, die fang ich!"

Die Maus jedoch spricht in dem Bau:
"Ich bin zwar klein, doch bin ich schlau!
Ich rühr mich nicht von hinnen,
ich bleibe drinnen!"

Da plötzlich hört sie - statt "miau -
ein laut vernehmliches "wau-wau"
und lacht: "Die arme Katze,
der Hund, der hatse!
Jetzt muß sie aber schleunigst flitzen,
anstatt vor meinem Loch zu sitzen!"

Doch leider - nun, man ahnt's bereits -
war das ein Irrtum ihrerseits,
denn als die Maus vors Loch hintritt -
es war nur ein ganz kleiner Schritt -
wird sie durch Katzenpfotenkraft
hinweggerafft!

Danach wäscht sich die Katze die Pfote
und spricht mit der ihr eignen Note:
"Wie nützlich ist es dann und wann,
wenn man 'ne fremde Sprache kann... "


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Die Schnecke

Mit ihrem Haus nur geht Sie aus!
Doch heut läßt sie ihr Haus zu Haus,
es drückt so auf die Hüften.
Und außerdem - das ist gescheit
und auch die allerhöchste Zeit:
sie muß ihr Haus mal lüften!


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Die Untermieterin

Du stehst vorm Apfelbaum und lobst:
"Was ist das für ein herrlich Obst!"
pflückst einen Apfel und beißt hinein,
verziehst den Mund und fängst an zu speien;
denn eine Made erster Güte,
wohnt dort schon lang zur Untermiete.
Du stehst vorm Apfelbaum und tobst:
"Wie kommt die Made in das Obst?"
Die Hülle trügt ! - Das Ungeziefer
dringt da im allgemeinen tiefer....


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Die Weihnachtsgans

Tiefgefroren in der Truhe
liegt die Gans aus Dänemark.
Vorlaufig lässt man in Ruhe
sie in ihrem weissen Sarg.

Ohne Kopf, Hals und Gekröse
liegt sie neben dem Spinat.
Ob sie wohl ein wenig böse
ist, dass man sie schlachten tat?

Oder ist es nur zu kalt ihr,
man siehts an der Gänsehaut.
Na, sie wird bestimmt nicht alt hier
morgen wird sie aufgetaut.
Hm, welch Duft zieht aus dem Herde,
durch die ganze Wohnung dann.
Mach, dass gut der Braten werde -
Morgen kommt der Weihnachtsmann.


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Drei Bären

Ein Brombär, froh und heiter, schlich
durch den Wald. Da traf es sich,
daß er ganz unerwartet, wie's
so kommt, auf einen Himbär stieß.

Der Himbär rief - vor Schrecken rot - :
"Der arme Stachelbär ist tot!
Am eignen Stachel starb er eben!"
"Ja", sprach der Brombär, "Das soll's geben!"
und trottete - nun nicht mehr heiter -
weiter ...

Doch als den "Toten" er nach Stunden
gesund und munter vorgefunden,
kann man wohl zweifelsohne meinen:
Hier hat der andre Bär dem einen
'nen Bären aufgebunden!


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Drei Raupen

Es steht in diesem Buche hier
so manch Gedicht über manch Tier
nur über Raupen gab's noch keins!
Nun, bitte sehr, hier wär so eins!
Doch ist es (weil's, ich will's betonen,
für alle handelnden Personen
ein grauenhaftes Ende nimmt)
für Jugendliche nicht bestimmt!

Drei Raupen schlossen in der Landschaft
von Südtirol ihre Bekanntschaft.
Da wurd die eine bei den Beeten
vom Gärtner hinterrücks zertreten!
Die zweite wurde unterdessen
vom Spatz erspäht und aufgefressen!
Die dritte aber - diese Raupe
verschied zu Hause an der Staupe!

Wie grausam ist doch die Natur:
sie trachtet nach dem Leben nur!


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Ein Brief aus Hagenbeck

An Frau Coco
geborene Cucu,
verwitwete Fips
Urwald
Wenn man reinkommt 3. Baum links, 4. Astwerk
Afrika

"Liebe Mama und liebe Geschwister
erinnert ihr euch noch an den Mister
der mich, als ich fröhlich am Aste hing,
fing? Das war ein Ding!
Der steckte mich einfach in einen Kasten,
da sass ich nun drin und musste fasten,
dann flog und fuhr ich lange Wege
und jetzt sitz ich hier im Freigehege.
Wir sind zu sechst, sind ganz verträglich,
bis auf den einen, der ist unmöglich,
der kratzt sich immer am Arm, am Kiefer
(wahrscheinlich hat er Ungeziefer).
Ich hatte neulich nen Schnupfen gekriegt.
Ob das an diesem Eisbären liegt,
da drüben?

Ihr Lieben,
Das Essen ist hier reichlich und schmeckt
auch kommt kein Raubtier, dass einen erschreckt,
doch grauenhaft ist an jedem Tage
die Menschenplage.
Da kommen sie dann in rauhen Mengen
und schubsen und gucken und schieben und drängen
und wenn ich auch bloss ganz ruhig sitze,
sie lachen bloss und machen Witze
und reden nichts wie dummes Zeug
Und wie gehts euch?
Euer Schimpi."


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Ein Traum

Ich schlaf nicht gern auf weichen Daunen;
denn statt des Märchenwaldes Raunen
Hör ich im Traume all die kleinen
gerupften Gänschen bitter weinen.
Sie kommen an mein Bett und stöhnen
und klappern frierend mit den Zähnen,
und dieses Klappern klingt so schaurig...
Wenn ich erwache bin ich traurig.


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Ein Volkslied

Wenn ich ein Mundschmiss wär
und auch zwei Schaufeln hätt´,
grüb´ ich mich ein.

Da ich kein Mundschmiss bin
und keine Schaufeln hab,
lass ich es sein.

Anmerkung (sinngemäß aus dem Gedächtnis):
Das Wort "Maul" war mir zu grob und wurde durch "Mund" ersetzt,
das Wort "Wurf" erweckte Assoziationen an meinen Nachbarn,
wo gerade das 7. Kind angekommen ist und wurde durch "Schmiss" ersetzt.

(Danke an Dr. Hartmut Falkenthal)


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Eßt mehr Fisch

Das Meer reicht bis zum Strande
und dann verläuft's im Sande
ganz plötzlich und abrupt.

In ihm gibt's viele Fische,
die essen wir bei Tische
gekocht und abgeschuppt.

Doch wozu gibt's die Gräten?
sie wären nicht vonnöten,
sie schmälern den Genuß.

Denn bleibt mal eine stecken,
so kann man leicht verrecken -
viel eher als man muß!


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Ferien auf dem Lande

(Ich kam mit einem Auto an
und Koffern, sechs bis sieben.
Der Motor ging total entzwei,
so mußt zuletzt ich schieben.)

Ich wohn in einem Bauernhaus.
Die Milch ist frisch und sahnig.
Die Störchin auf dem Scheunendach,
sie schäkert mit dem Kranich.
Die Kuh macht "muh" - der Ochse auch,
sind schwer zu unterscheiden,
erst wenn man melken will, merkt man
den Unterschied der beiden.
Die Bauersfrau ist jung und schön.
Ich bin bei ihr der Kranich.
Ein Ochse ist ihr Herr Gemahl. -

(Zurück fahr mit der Bahn ich!)


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Heißer Mai

Es ist sehr heiß.
Leise rieselt der Schweiß.

Sogar die Lerche,
sonst kaum zu zügeln,
flattert ganz langsam:
sie schwitzt unter den Flügeln.

Und auch die Schwalbe
fliegt nur die halbe
Geschwindigkeit in der Stunde.

In aller Munde
ist dieses Lied:

Leise rieselt der Schweiß -
und das vor Ende des Mais!


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Humanistisches Frühlingslied

Amsel, Drossel, Star und Fink
singen Lieder vom Frühlink,
machen recht viel Federlesens
von der Gegenwart, vom Präsens.
Krokus, Maiglöckchen und Kressen
haben längst den Schnee vergessen,
auch das winzigste Insekt
denkt nicht mehr ans Imperfekt.
Hase, Hering, Frosch und Lachs,
Elke, Inge, Fritz und Max ---
alles, alles freut sich nur
an dem Jetzt. Und aufs Futur.


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Hund und Herrchen

Egal, von welcher Art und Rasse,
ob tief er bellt, öb hoch er kläfft,
der Hund macht alles auf der Straße -
und auf die Straße sein Geschäft.
Die Katze ist da etwas feiner:
sie hat ihr Klo, auf das sie geht,
und wie sie liebt, das sah noch keiner -
man hört es höchstens, abends spät.
Der Hund dankt stets für jede Strafe,
er leckt die Hand, die ihn versehrt.
Er ist des Herrchens treuster Sklave -
doch meistens ist es umgekehrt.


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In vier Zeilen

Ein Naßhorn und ein Trockenhorn
spazieren durch die Wüste,
da stolperte das Trockenhorn,
unds Naßhorn sagte: "Siehste!"


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Kein Tier vermag sich lachend zu zeigen,
ob es nun kräht, miaut oder bellt -
das Lachen ist nur dem Menschen eigen
und deshalb nicht von dieser Welt.....


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Kleiner Vogel

Kleiner Vogel dort im Baum,
sing doch bitte leiser;
denn wenn du so weiter machst,
wirst du noch ganz heiser!
Und die Stimme, die du hast,
klingt dann nicht mehr länger,
dann brauchst du ein Mikrofon,
wie`n moderner Sänger...!

(Danke an Julia Burkhardt)


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Knabe mit erkältetem Käfer

Auf meiner linken Schulter sitzt
ein Käfer, rot mit schwarzen Tupfen.
Er ist vom Fliegen ganz erhitzt,
nun kriegt er sicher einen Schnupfen.
Ich nehm ihn in die Hand und renn
mit ihm nach Haus über die Wiesen.
Er muß sofort ins Warme, denn
ich höre ihn bereits niesen.


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Rechtschreibung

Delfine schwimmen schnell und leis.
(Man schreibt sie mit "ph" - ich weiß;
doch schreibt man ja auch Tele"f"on,
und das bereits seit langem schon.)
Sie schwimmen (wie gesagt, mit "f") -
sie schwimmen - vorn ihr alter Scheff
(wir schreiben schließlich auch "Schofför")-
sie schwimmen also durch das Meer.

Was heißt durchs "Meer"?
Sogar durch "Meere"!
Und manche altgediente Mähre,
wie überhaupt so manches Ferd
(mit "V" wär es total verkehrt)
glaubt, es sei schnell wie ein Delphien!
(Das zweite "e" ist schlecht für ihn.)

Orthogravieh - das sieht man hier -
ist nicht ganz leicht für Mensch und Tier!


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Stiche

Von Dürers Meisterhand ein Stich
betrachtet, wirkt mehr "äußerlich",
dagegen dringt, wenn Sie verzeihn,
ein Mückenstich weit "tiefer" ein.

Man sieht hieraus, daß ein Insekt
noch mehr kann als der Intellekt.


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Verrat

Spinne, Spinne, spinne du
ruhig weiter, ich schau zu.
Bald kommt eine Fliege dann,
die sich nicht befreien kann,
saugst ihr Blut aus, Glied für Glied.
Wünsch dir guten Appetit!

Fliege, Fliege, fliege nur
ruhig weiter durch den Flur.
Doch die Ecke mußt du meiden,
Willst du nicht entsetzlich leiden,
denn dort hängt ein Spinnennetz!
Böse, Spinne, daß ich petz'?


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Vogel und Baum

Man sieht die Lerchen mit Gesang
hoch in die Lüfte steigen.
Nur die mit "e"! Die mit dem "ä",
die stehen da - und schweigen.


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Vögel

Vögel sind, so steht`s im Brehm,
Tiere, welche fliegen,
singen meistens angenehm
und sind schwer zu kriegen.
Fliegen ohne Unterlaß,
selbst bei größter Hitze,
wär ich Vogel, ließ ich das,
weil ich so leicht schwitze.


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Weidende Seekuh

Die Seekuh weidet auf dem Grund
des Ozeans. Stumm ist ihr Mund;
denn finge an sie, laut zu singen,
würd ihr das Meer ins Innre dringen -
und dieses Naß, welches sie schluckt,
verdürbe dann das Milchprodukt,
das, schon seit jeher äußerst rühmlich,
wohl jeder Seekuh eigentümlich.

So weidet unsre Meereskuh
mit Appetit, doch ohne Muh...







Die Sammlung ist nicht komplett?
Dann mailt mir doch bitte die fehlenden Gedichte über das Mail-Formular.
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