Gedichte von Heinz Erhardt

Vierzeiler


Allerlei   -   Tierisches   -   Ritter Fips   -   Vierzeiler   -   Zitate/Zweizeiler   -   G-Sketch

zum Gedichteindex



Abendfrieden
An einen jungen Journalisten
An einen von vielen
Bier-Fragment
Das wäre schön
Das Wasser
Der Baum
Der Fels
Der kalte Wind
Der Snob
Die Augen
Die Nase
Die Starlets
Die Zelle
Es dürfte keine Steuern geben...
Es soll manchen Dichter geben...
Ich denk nicht gern an...
Ich finde solche, die von...
Ich kann's bis heute nicht...
Ich wälze nicht schwere Probleme...

In Eile
In nur vier Zeilen...
Mal trumpft man auf...
Manche Dichter gibt es...
Man nehme
Nichts
Noch'n Unterschied
Oper
Oper II
Sie dienten mir gerne...
Sommeranfang
Trinklied
Unterschied
Versprechen
Wandspruch
Winteranfang
Zu kurz
Zu spät
Zu wenig
Zwang







Abendfrieden

Die Oma murmelt leise vor sich her -
sie spricht mit Opa, doch den gibt's nicht mehr...
Im Bettchen nebenan schläft süß das Kind;
die Mutter strickt, der Vater spinnt...


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~



An einen jungen Journalisten

Das Schreibenlernen, das begannst
du früh schon zu betreiben;
und doch – obwohl du schreiben kannst –
kannst du bis heut nicht "schreiben"!


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~



An einen von vielen

Als du noch warst, wollt man nichts geben.
Kaum warst du tot, ließ man dich leben!
So ist's! - Den höchsten Ruhm erworben
hat man erst dann, ist man gestorben.


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~



Bier-Fragment

War ich, wo's Bier zu trinken gab,
stellt sich die Frage unterwegs mir:
Wenn ich beim Bier geschaekert hab,
dann bin ich wohl ein Schaeksbier?


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~



Das wäre schön

Ich glaube, manche junge Frau,
die würd vor Glück zerspringen,
würd ihr der Klapperstorch zum Kind
auch gleich den Vater bingen.


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~



Das Wasser

Es ist gewiß was Schönes dran,
am Element, dem nassen,
weil man das Wasser trinken kann!
Man kann's aber auch lassen!


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~



Der Baum

Der Baum hat Äste,
das ist das Beste.
Denn wär und kahl,
dann wärs nur ein Pfahl.

(Danke an Ralp)


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~



Der Fels

Wenn Dir ein Fels vom Herzen fällt,
so fällt er auf den Fuß Dir prompt!
So ist es nun mal auf der Welt:
ein Kummer geht, ein Kummer kommt


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~



Der kalte Wind

Es wohnt ein Wind in Leningrad,
der pustet kalt,
wer da nicht einen Mantel hat,
der hustet bald.


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~




Der Snob

Sie reichten Weine mir und Bier
und Schnäpse und dergleichen -
dabei könn'n diese Leute mir
nicht mal das Wasser reichen!


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~



Die Augen

Die Augen sind nicht nur zum Sehen,
sind auch zum Singen eingericht' -
wie soll man es denn sonst verstehen,
wenn man von AUGENLIEDERN spricht?


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~



Die Nase

Wenngleich die Nas´, ob spitz, ob platt,
zwei Flügel - Nasenflügel - hat,
so hält sie doch nicht viel vom Fliegen;
das Laufen scheint ihr mehr zu liegen.


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~



Die Starlets

Jetzt weiß ich endlich auch, wieso
sie Köpfe haben! – Soll ich's sagen?
Sie brauchen dann das viele Stroh
nicht in der Hand zu tragen!


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~



Die Zelle

Das Leben entspringt auf alle Fälle
aus einer Zelle.
Nur manchmal endet's auch bei Strolchen
in einer solchen.


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~



Es dürfte keine Steuern geben,
kein Zahnweh, keine Schützengräben,
dann wär' auf dieser Welt das Leben
vielleicht noch schöner als wie eben!


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~



Es soll manchen Dichter geben,
der muß dichten um zu leben.
Ist das immer so? Mitnichten,
manche leben um zu dichten.


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~



Ich denk nicht gern an jenen Kuß,
den Du mir gabst, Helene;
denn wenn ich an ihn denken muß,
dann werd' ich müd und gähne.


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~



Ich finde solche, die von ihrem Geld erzählen
und solche, die mit ihrem Geiste protzen
und solche, die erst beten und dann stehlen,
ich finde solche, Sie verzeihn, zum Kotzen.


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~



Ich kann's bis heute nicht verwinden,
deshalb erzähl ich's auch nicht gern:
den Stein der Weisen wollt ich finden
und fand nicht mal des Pudels Kern.


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~



Ich wälze nicht schwere Probleme
und spreche nicht über die Zeit.
Ich weiß nicht, wohin ich dann käme,
ich weiß nur, ich käme nicht weit.


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~



In Eile:

Kaum warst du Kind, schon bist du alt.
Du stirbst - und man vergißt dich bald.
Da hilft kein Beten und kein Lästern:
was heute ist, ist morgen gestern.


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~



In nur vier Zeilen...

In nur vier Zeilen was zu sagen
Erscheint zwar leicht, doch ist es schwer!
Man braucht ja nur mal nachzuschlagen;
Die meisten Dichter brauchen mehr...


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~


Mal trumpft man auf, mal hält man stille,
mal muß man kalt sein wie ein Lurch,
des Menschen Leben gleicht der Brille:
man macht viel durch !


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~



Manche Dichter gibt es, die be-
nötigen der Sachen vier:
einen guten Reim auf Liebe,
Feder, Tinte und Papier.


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~



Man nehme

Seit frühester Kindheit, wo man froh lacht,
verfolgt mich dieser Ausspruch magisch:
Man nehme ernst nur das, was froh macht,
das Ernste aber niemals tragisch!


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~



Nichts

"Gott hat die Welt aus NICHTS gemacht",
so heißt es im Brevier,
doch manchmal kommt mir der Verdacht,
er macht sich nichts aus ihr...


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~



Noch'n Unterschied

Wir fuhren einst zusammen
tagtäglich mit der "Zehn",
jetzt fahren wir zusammen,
wenn wir uns wiedersehn!


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~



Oper

Wenn die Opern Dich umbrausen
mit Getön,
dann genieße auch die Pausen:
sie sind schön.


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~



Oper II

Nach Schluß der langen Oper hörte
ich neulich folgende Kritik:
"Was mich an dieser Oper störte,
das war der Schwan und die Musik!"


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~



Sie dienten mir gerne bei jedem Gedicht,
die Substantive und die Verben,
doch heute gehorchen sie mir leider nicht -
ich möcht' am liebsten sterben.


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~



Sommeranfang

Mit Frischem füllen sich die Keller.
Es sinkt der Öl- und Lichtverbrauch.
Die Nächte werden immer heller.
Der Tag nimmt zu. Die Oma auch.


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~



Trinklied

Wo bleibt denn bloß der Sonnenschein?
Liegt's an den Isobaren?
Ach, soll's doch ruhig trübe sein -
wir trinken unsern Klaren!


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~



Unterschied

Wollen wir doch einmal dieses Thema streifen:
Autoräder sind von Reifen -
Lehrer aber, die zu lehren sich bestreben,
sind von Unreifen umgeben!


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~



Versprechen

"Ich hol vom Himmel dir die Sterne",
so schwören wir den Frauen gerne.
Doch nur am Anfang! Später holen
wir nicht mal aus dem Keller Kohlen.


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~



Wandspruch

Die Arbeit ist oft unbequem,
die Faulheit ist es nicht, trotzdem:
der kleinste Ehrgeiz, hat man ihn,
ist stets der Faulheit vorzuziehn!


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~



Winteranfang

Verblüht sind Dahlien und Ginster.
Die Rechnung steigt für Öl und Licht.
Die Nächte werden wieder finster.
Der Tag nimmt ab. Die Oma nicht.


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~



Zu kurz

Kaum, daß auf diese Welt Du kamst,
zur Schule gingst, die Gattin nahmst,
Dir Kinder, Geld und Gut erwarbst
-schon liegst Du unten, weil Du starbst.


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~



Zu Spät

Die alten Zähne wurden schlecht,
und man begann, sie auszureißen,
die neuen kamen gerade recht,
um mit ihnen ins Gras zu beißen.


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~



Zu wenig

Ich kenne keine Beine,
die schöner wärn als deine,
deshalb bedaure ich es fast,
daß du nur zweie hast.


nach oben
~~~~~~~~~~~~~~~~



Zwang

Du mußt dich zu sehr vielen Dingen,
willst du sie tun, geradzu zwingen!
Trotzdem wirkt das - was dir gelungen -
oft zwingend leicht und ungezwungen.








Die Sammlung ist nicht komplett?
Dann mailt mir doch bitte die fehlenden Gedichte über das Mail-Formular.
nach oben




Kein Menü ?
Klick hier!