Lyrics von Muse





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Von der Muse geküsst

Das brillante Trio aus dem südenglischen Devon weiß um seine Macht, ganz besondere, absolut einzigartige Rockmusik zu schreiben und bleibt dennoch bemerkenswert klar, aufgeräumt und allürenfrei. Und das, obwohl sie - um es kurz auszudrücken - einfach immer besser werden. Seitdem im Jahr 2000 ihr Debüt "Showbiz" erschien, gehören sie zu den wichtigsten und einzigartigsten Ausnahmeerscheinungen der britischen Rockmusik. Dieses Album hörte ich in einem CD-Laden Probe und war fasziniert von der Musik von der mir bis dato noch unbekannten Band.

Damals waren Sänger/Gitarrist/Keyboarder Matthew Bellamy, Drummer Dominic Howard und Bassist Chris Wolstenholme gerade mal 16, 17 Jahre alt. Was sie von Altersgenossen unterschied, war ihre Fähigkeit, Rockmusik zu schreiben, die dermaßen ausgereift und eigenständig klingt, daß man dahinter niemals eine derart junge Bande vermuten würde. Seit ihrem zwölften Lebensjahr hatten die Drei zusammen Musik gemacht, die Grunge-Revolution in ihren Kinderzimmern erlebt und "kontinuierlich daran gearbeitet, dass wir uns stark genug fühlen, um in die Musikszene einzutreten", wie Matthew damals sagte. Kein Wunder also, dass sie sich aus dem Stand und direkt mit der ersten Single überhaupt, dem flehend traurigen "Uno", in die Herzen der Alternativerock-Fans und die Top-Positionen der Charts spielten.

Als 2001 das voluminöse, außerordentlich ausgereifte und vielseitige Zweitwerk "Origin of Symmetry" erschien, war schnell klar: Muse sind keine Eintagsfliege. Im Gegenteil - all das schien erst der Anfang zu sein für eine Karriere, die in der britischen Rockmusik ihresgleichen sucht. Inzwischen waren sie Big Player in ganz Europa, Asien und Nordamerika, mit vier Plattenverträgen und Tourneen mit den Red Hot Chili Peppers, Foo Fighters oder Jane's Addiction.
Ihre Konzerte waren und sind furiose Trio-Lehrstunden, magische Gefühlsbäder und kompromisslose, kernige Gitarrenrock-Abfahrten in einem und ihre Singles gingen weg wie nichts. Selbst Musiker wie Michael Stipe (R.E.M.) ließen sich zu Äußerungen hinreißen wie: "In Muse sehe ich die Zukunft der Rockmusik. Diese Jungs sind brillant."

Nach dem letztjährigen Doppel-Livealbum "Hullabaloo" stehen sie nun in den Startlöchern, um mit dem dritten Album "Absolution" zu beweisen, dass bei ihnen in Sachen Kreativität, Intensität, Dynamik und Songwriting noch lange nicht alles ausgereizt ist. Der für sie typische Kontrast aus vertonter Härte und süßer Melancholie zeigt sich hier perfektioniert; es gibt Disco-Beats, verzerrte Bässe, Chanson-Versatzstücke, unbeschreiblich traurige Balladen und massiv prügelnde Moshparts sowie in fast jedem Song orgiastische Melancholie-, Sound- und Songwriting-Steigerungen. Es gibt verlorene Pianolinien, vertrauliche Melodien, verträumte Streicher-Arrangements und verstörende Brüche. Ein atemberaubendes Wechselspiel zwischen laut und leise, Liebe und Hass, Harmonie und Kompromisslosigkeit; kurz: mehr Muse als je zuvor.

Aufgenommen wurde das neue Album "Absolution" größtenteils in der "Grouse Lodge" in Irland in einem Zeitraum von zwei Monaten, den endgültigen Feinschliff erhielt das Album im April und Mai diesen Jahres in den altehrwürdigen "Cello Studios" in Los Angeles. Produziert wurde das bis ins letzte Detail intelligent ausstaffierte, unbeschreiblich facettenreiche Juwel von ihrem Wunschproduzenten Rich Costey, der zuvor u.a. mit Rage Against The Machine, Cave In, Audioslave und Fiona Apple arbeitete. "Die Musik auf dem neuen Album verlangte nach einem Profi, der sich sowohl mit zarter Pianomusik als auch mit massiv drückenden Rockparts auskennt", sagt Matthew. Experiment gelungen, Patient rockt. Ihre Songs sind derart nah am Ohr des Hörers, daß ihre unkonventionell und kompromisslos ausgelebte Liebe zur Melancholie die Nackenhaare bürstet und mehr als nur eine Träne ins Auge zaubert. "Wir wollten uns ein Stück weit neu erfinden, ohne uns untreu zu werden", sagt Matthew Bellamy. "Ist uns das gelungen?" Ich denke: Ja, unbedingt. Und noch viel mehr als das.

Meine persönlichen Song-Favoriten ist das ganze "Absolution"-Album, ganz vorne jedoch das melanchonische und zugleich rythmisch-gitarrenlastige "Stockholm Syndrome", das agressionsgeladene "TSP" mit einem eindringlichen aber nicht aufdringlichen Refrain und die beiden herzergreifenden Balladen "Sing For Absolution" und "Endlessly". Ferner der Smash-Hit "Plug In Baby" von dem 2. Album "Origin of Symmetry". Und zu guter Letzt "Sunburn", "Fillip", "Escape", "Unintended", "Uno" und "Showbiz" vom gleichnamigen Debut-Album.

10.09.03 by muenic


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