Kölner Karneval
(Fasteleer)



Karneval in Kölle



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Der Kölner Karneval gehört zu Köln wie das Kölsch und der Dom.
Manche sind vielleicht schonmal zur Karnevalszeit in Köln gewesen und haben das bunte Treiben miterlebt und manche sagen: Da kriegt mich keiner hin, da sind die Leute auf Knopfdruck lustig, betrinken sich sinnlos und benehmen sich wie die letzten Schw.... und die Frauen sind in dieser Zeit Freiwild.

Sicher, einige sind auf Knopfdruck lustig, indem sie sich in die Sitzungssääle quetschen, hier und da mal ein Lächeln über das Gesicht huschen lassen und bei Stimmungsliedern brav im Takt mitklatschen. Sicher, einige betrinken sich von Weiberfastnacht bis Karnevalsdienstag hemmungslos und lassen ihr Benehmen zu Hause (falls überhaupt vorhanden). Und die Frauen wissen sich schon zu wehren , wenn die Herren der Schöpfung mit der "Freiheit", mal unbeschwert feiern zu können, nicht so recht umgehen können.

Aber ich möchte hier mal eine Lanze für den wahren Karneval brechen, der, wie ich meine, nicht aus Sitzungen aller Art und/oder unkontrolliertem Alkoholkonsum besteht. Ich will hier keine Überzeugungsarbeit leisten, sondern einfach ein paar eingefahrene Vorurteile aus dem Weg räumen. Denn der wahre Karneval findet auf der Straße und in urigen Kneipen statt! Man muß nur wissen, WIE man Karneval feiert und was dazugehört:
Die Sambatruppen mit ihrer rythmischen Trommelmusik, die die Leute in ihren Bann zieht und nicht mehr los läßt. Die Kneipen, in denen es brodelt, weil Lieder gespielt werden bis zum abwinken und die Leute auf Tischen und Bänken tanzen. Die Leute - ob "Imis" oder waschechte Kölner - die einfach mitgehen, mitsingen und sich schunkelnd in den Armen liegen. Die Straßenbahn, die quasi singend durch die U-Bahn-Tunnel Kölns fährt, weil einer ein Lied angestimmt hat und alle mitsingen. Der Geisterzug am Karnevalssamstag, in dem es von Sambatruppen nur so wimmelt. Das Warten auf den Rosenmontagszug vor einem selbstgezimmerten "Musik-Wagen" mit einem lecker Kölsch in der Hand. Die Nubbelverbrennung am Karnevalsdienstag um 0.00 Uhr, wo die Nubbel eines jeden Veedels in verschiedenen Straßen verbrannt werden und diese Straßen voller Menschen sind, die dieses Ereignis mitverfolgen und zum Abschluß aus vollem Hals "En unsrem Veedel" singen.

All das macht den Kölner Karneval aus und zeichnet ihn auch aus. Die offiziellen Sitzungen mit ihren Tanzcorps und endlosen Selbstbeweihräucherungen des Festkomitees sind (für mich und für viele andere wohl auch) nur Nebensache. Das schau ich mir dann im Fernsehen an, weil manche Auftritte von Künstlern wirklich ganz witzig sind. Aber selber auf eine (Fernseh-)Sitzung zu gehen käme für mich nicht in Frage, da sich dort hauptsächlich das "obere Köln" trifft, es eigentlich nur um sehen und gesehen werden geht und die Karten saumäßig teuer sind. ;-)

Was wirklich sehenswert ist, ist das "Hänneschentheater", was allerdings in urkölscher Mundart aufgeführt wird und für Nichtkölner ein wenig schwer zu verstehen sein könnte. Auch die "Stunksitzung" und die "Schnieke Prunz-Sitzung" sollen was ganz anderes sein, wo so herrlich abgelästert wird. Das kann ich allerdings nur schwerlich beurteilen, da ich noch nicht zugegen war.

Ich hoffe, ich konnte einen kleinen Eindruck des Karnevals in Köln bei denjenigen hinterlassen, die nur eine Seite gehört haben und es sich nicht vorstellen können, wie der wahre Kölner/die wahre Kölnerin Karneval zu feiern versteht. Um das alles nachzuvollziehen, muß man es halt einfach mal erlebt haben, denn das Gefühl, daß man dabei hat oder haben könnte, kann ich hier schlecht niederschreiben. ;-)

Also in diesem Sinne:

Dreimol Kölle Alaaf !!




               





Kölsche Wörter und Bezeichnungen:



Ähzezupp

Erbsensuppe, wird traditionell gerne zu Karneval gegessen.






Ajuja

Freudenruf, in etwa: Auf ins Karnevalstreiben!






Alaaf

Dieses berühmte Hoch auf den Kölner Karneval wurde erstmals im 16. Jahrhundert durch den Fürsten Metternich in einer Bittschrift verwendet (Cöllen al aff = Köln über alles). Im Karneval 1733 als Lob- und Trinkspruch nachgewiesen: "Köllen Alaaf" wird übersetzt mit "Köln allein" - die alte Stadt vornean!
Da einmaliges Rufen nicht reicht, wird Köln gleich dreimal "hochgerufen!" Übrigens: Bis vor etwa 20 Jahren hieß es immer: "Köllen alaaf!". Das "n" wurde später einfach weggelassen.
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Bütt

Die "Waschbütt" (der Waschzuber) diente immer dazu, schmutzige Wäsche zu waschen. Im Karneval diente die Bütt, zumeist in Form eines Fasses, dem Redner als "Stellplatz", aus dem er "schmutzige Wäsche waschen" und dem Publikum die Leviten lesen konnte. Nach und nach ist die Bütt verschwunden, aus den Typenrednern sind mehr und mehr "Erzähler" geworden.
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Bützje

Küßchen, zur Karnevalszeit wird immer und überall gebützt, sowohl auf die Wange als auch auf den Mund. Aber man darf sich auch dagegen wehren.
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Elf

E(galite), L(iberte), F(raternite) - Einheit, Freiheit-Brüderlichkeit - die Anfangsbuchstaben ergeben aneinandergereiht das Wort "Elf". Es gibt noch viele andere Erklärungen über Ursprung und Bedeutung dieser als "närrisch" bezeichneten Zahl. Am 11.im 11. um 11.11 Uhr wird die neue Session eröffnet, der Sitzungspräsident steht dem "Elferrat" vor, allerdings als "gleicher" (Jeck) unter lauter Jecken. (Das ist allerdings nur die Theorie, die Praxis sieht oft anders aus!)
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Funken

Die Kölner Stadtsoldaten, wegen ihrer roten Uniform auch "Funken" genannt, zerstreuten sich nach dem Einmarsch der Franzosen 1794 in alle Winde. Als 1823 die "Wiedergeburt" des Kölner Karnevals stattfand, erinnerte man sich auf der "Suche nach den goldenen Zeiten" auch der Roten Funken, des "Jeckenbähnchens" und der "Hillige Knäächte un Mägde". Sie alle marschierten im ersten Rosenmontagszug mit - und das tun sie noch heute.
www.rote-funken.de

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Geisterzug

Geboren wurde er, als der Rosenmontagszug wegen des Golfkrieges ausfiel. Trotz alljährlichen Gerüchten, die besagen, daß er abgesagt wird oder einfach nicht stattfindet, kommt er dennoch immer wieder zustande. Jedes Jahr schlängelt sich der "Jeisterzoch" durch ein anderes Revier. Wagen und Wurfmaterial gibt es in diesem Zug nicht, denn es wird marschiert und getrommelt und wer will, marschiert und trommelt einfach mit. Üblich sind sinnvollerweise Geister-, Hexen-, und Phantasiekostüme.

Offizelle Webseite des Geisterzuges
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Buh!





Gürzenich

"Der Herren Tanz- und Festhaus". Schon um 1440 für den Karneval genutzt - bis heute ist der Gürzenich die zentrale "hochfestliche Stätte kölnischen Karnevalstreibens" geblieben. Prinzenproklamation und ARD-Fernsehsitzung finden u.a. hier statt.
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Hännesche

Hänneschen und Bärbelchen - die Lieblinge aller Kölschen. Das mundartgebundene Stockpuppen-Theater (seit 1802) sieht die beiden in den Kinder-Vorstellungen als Geschwisterpaar und in den Abendvorstellungen als kölsches "Liebespaar" und als Mittelpunkt der "Knollendorfer Sippschaft". In der Karnevals-Session sind die Karten für die "Puppensitzung" für den jeweiligen Inhaber schon fast ein "Legitimationspapier" für besondere Schlitzohrigkeit. Denn entweder hat er sich eine ganze Nacht vor dem Kassenhäuschen um die Ohren geschlagen oder er ist Mitglied im Hänneschen-Förderverein. Dann bekommt er die Karte sogar ins Haus geschickt.
www.haenneschen.de

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Imi

Der "imitierte" (zugereiste) Kölner hat zuallererst die kölsche Sprachprobe zu bestehen: Blootwosch! Jupp Schlösser und Gerhard Jussenhoven haben dem "Imi" ein literarisches (Lieder-) Denkmal gesetzt. In Köln schnell heimisch geworden, paßt er sich kölscher Lebensart an. Viele "Imis" engagieren sich später mehr für ihre Wahlheimat Köln als mancher "Eingeborene".
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Jeck

Karnevalsfan, den man nicht weiter beschreiben kann, denn: Jede Jeck is anders un jede Jeck feiert anders!
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Lappeclown

Beliebtestes Kostüm im Karneval. Sein Kostüm besteht aus hundertern, wenn nicht gar tausenden bunten Stoffresten, die in kleinen "Lappen" neben- und übereinander genäht sind. Auffallend schön geschminkte Gesichter legen sich insbesondere weibliche Clowns zu, die anstelle eines Lappenkostüms auch lieber etwas sehr "modisches" tragen.
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Nubbel

Der "Nubbel", auch "Zacheies" genannt, ist eine lebensgroße Figur, die über zahlreichen Kölner Kneipen hängt und muß nach Karneval (an Veilchensdienstag) für all die Sünden herhalten, die in der närrischen Zeit begangen wurden. Unter Beschimpfungen, Wehklagen, dumpfen und fröhlichen Gesängen wird er verbrannt. Und das auch noch in aller Öffentlichkeit unter tausendfacher Beteiligung heiter gestimmter Trauergäste! Tommy Engel (damals noch bei und mit den Bläck Fööss) ist das Paradebeispiel für den tragisch-komischen Abgesang an die Sünden der Freude!
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Ostermann

Willi Ostermann (1876-1936) ist zwar schon 67 Jahre tot aber seine Lieder werden noch heute gern gesungen. Sie sind so taufrisch, als seien sie gestern entstanden. Vor kurzem erschien eine Box mit 79 Originalaufnahmen auf 4 CD von ihm und seinen Liedern.

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Prinz, Bauer und Jungfrau

Das Kölner Dreigestirn, auch Trifolium genannt. Die Jungfrau als "beschützende Mutter Colonia" wird immer von einem Mann dargestellt. Der Bauer, Symbol der "Wehrhaftigkeit der alten Reichsstadt Köln", schwingt wie eh und je seinen Dreschflegel und der Prinz ist nicht nur der strahlende Held Karneval, sondern auch Synonym für kölsche Fastelovend, für Bützcher un Kamelle.
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Revue

In den zwanziger und dreißiger Jahren waren die "kölschen Revuen" im "Groß Köln" (heute Sartory) die Attraktion im karnevalistisch gestimmten Köln. Zwischen Neujahr und Aschermittwoch füllte Grete Fluss, seinerzeit der unbestrittene Star auf allen Bühnen, das "Groß Köln" zweimal täglich bis auf den letzten Platz. Hans Jonen, Gerhard Ebeler, Hans Otten, Engelbert Sassen und auch Willi Ostermann texteten und schrieben immer neue Hits. "Och wat wor dat fröher schön doch en Colonia", "Kölsche Mädcher, kölsche Junge sin dem Herrgott got gelunge", "Du kannst nicht treu sein", "Wir gehen nicht eher in die Falle bis unser Geld ist alle" und viele andere Lieder haben sich "verselbständigt" und werden heute noch gesungen. Nach dem Krieg waren es insbesondere Gerhard Jussenhoven und Hans Jonen, die die kölschen Revuen wieder aufleben ließen. "Aat bliev Aat", "Vun Neujohr bes Äschermettwoch" u.v.a. Nach dem Rücktritt von Grete Fluss 1955 begann im Kaiserhof die Revue-Karriere der Trude Herr. Mehr als ein Jahrzehnt verging, ehe Walter Bockmeyer wieder kölsche Revuen auf die Bretter brachte. Gigi Herr ist sein derzeitiger Star an der Stelle, im Kaiserhof, wo schon ihre Tante Trude Triumphe gefeiert hatte
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Ruusemondach

Rosenmontag, kommt nicht von "Rosen", sondern von "rasend".
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Schunkeln

Der "Volkstanz", einfach bei den Nachbarn einhaken (auch, wenn man sie nicht kennt), und zur Seite hin und herwiegen, funktioniert im Sitzen und Stehen.
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Stunksitzung

"Alternativer Karneval" sagen die einen, der "wahre Karneval" meinen die anderen und viele der Traditionalisten meinen gar, der Karneval sei von einer Seuche befallen. Gisbert Brovot, Prädident des Festkomitees des Kölner Karnevals, wagte sich mit FK-Mütze in das E-Werk, der Höhle dieser abtrünnigen Löwen. Seine traditionsreichen "Freunde" befanden anschließend, dieser Mann -Brovot- sei für den Karneval nicht mehr als Präsident tragbar. Da er ihnen zu schwer geworden war, ließen sie ihn einfach fallen. So intolerant und uneinsichtig können auch die Karnevalisten sein.
www.stunksitzung.de


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Tünnes un Schäl

Tünnes, der bäuerlich-deftige Sproß und Schäl, der hinterhältig-listige Vertreter Kölner Männlichkeiten, verkörpern das, was hunderttausenden von Kölner von Geburt an ins Blut gelegt worden ist und noch wird: Kölsche Eigenarten, für Nichtkölner mitunter schwer verständlich, weil so manche Eigenart als Unart verstanden wird. Auf keinem Geburts- oder Taufschein sind ihre Namen zu finden. Gleichwohl noch heute in aller Munde, leben sie im Kölner Hänneschen-Theater weiter.
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Tünnes un Schäl



Veedel

"En unsrem Veedel" hieß eines der ersten Lieder und ein ewiger Klassiker mit Gänsehautfeeling der Bläck Fööss. Das ist jetzt 30 Jahre her. Als "Nachwirkung" ist jedoch festzuhalten, daß das Veedels-Bewußtsein der Kölner und der Kölschen seitdem ständig gestiegen ist. Im früher verpönten "Vrings-Veedel" (Severinsviertel) geboren zu sein erhebt den Glücklichen oder die Glückliche schon fast in den kölschen Uradels-Stand. Den Reiz eines jeden Veedels kann man nicht beschreiben, man muß ihn in Nippes, am Eigelstein, op Ihrefeld, en Düx un en Kallek selbst entdecken.
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Wurfmaterial

"Kamelle, Kamelle" rufen die Kölner, wenn "dr Zoch" kütt. Doch wo sie noch geworfen werden, bückt sich keiner mehr danach. Hobby-Bastler haben allerdings auch nicht vor dem Karneval halt gemacht: Umgedrehte Schirme dienen als "Auffangmaschine" für das klebrige Wurfmaterial, welches für die Kölner Straßenreinigung dann ganz besonders qualvoll, weil hartnäckig klebend ist, wenn es schneit oder regnet. Doch wehe, ein Zugteilnehmer "vergißt" das Werfen.
"Knieskopp, Knieskopp" schallt es ihm tausendfach entgegen. Als Kamelle-Ersatz akzeptieren die Kölner nur Strüüßcher (kleine Blumensträuße), Schukelad (Höchstgewicht lt. richterlichen Urteil: 50 g pro Tafel), Pralincher, Gummibärcher und e lecker Bützche vum Marieche oder -was die Frauen angeht- vun 'nem staatse Jung.
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Zoch

Mit dem "Aufzug" des Altstädterkorps auf Weiberfastnacht beginnt der Straßenkarneval, der "Geisterzug" am Samstag bildet die Vorhut für die "Schull- und Veedelszöch" am Sonntag. Für viele Kölner der eigentliche Höhepunkt im närrischen Straßentreiben. Der "Rosenmontagszug" ist das karnevalistische Aushängeschild, das immerhin mehr als 1 Million Besucher an den Zugweg und mehr als 5 Millionen Zuschauer an die Fernsehschirme lockt. Wem das noch nicht reicht, der kann die "Dienstagszüge" in den Kölner Vierteln bewundern (oder daran teilnehmen). Wenn die am Nachmittag losziehen, gehen die Gedanken der Karnevalisten schon in die nächste Session. Denn am Dienstagmorgen, beim sogenannten "Prinzenfrühstück" (sogenannt, weil es eigentlich ein Mittagessen ist. Da aber am Freitag vor Karneval schon einmal offiziell in der Prinzenhochburg "zu Mittag gegessen" wurde, ist der Name "Prinzenessen" schon belegt) verrät der Zugleiter schon das neue Motto. Wenig später stellt eine Kölner Texterin (Marie-Luise Nikuta) dann ihr neues Mottolied vor.
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